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Synästhetische Galerien

Ich werde immer wieder gefragt, wie man sich denn Coloured Hearing Synästhesie vorzustellen hat. Das ist sehr schwer zu beschreiben, denn wie erklärt man einem Blinden eine Farbe? Als Antwort habe ich irgendwann einmal damit begonnen, auf dem Wege der Computergrafik Visualisierungen meiner synästhetischen Wahrnehmung anzufertigen. Das war wohl der beste Weg, denn in Folge kam es auch zu Auftragsarbeiten im Rahmen von (psychologischen) Studien, so dass einige meiner Grafiken es bis in die Fachliteratur, vereinzelt sogar bis in Ausstellungen und bis in medizinische Kongresse geschafft haben. Wer interessiert ist, kann sich die Bilder hier anschauen und - zumindest in einigen Fällen - auch das dazu passende Geräusch anhören. Die Wahrnehmung an sich funktioniert in etwa so:

Nachtigall
Bild einer Nachtigall
Nachtigall
Überlagertes Bild mit synästhetischer
Wahrnehmung des Rufes einer Nachtigall
Nachtigall
Synästhetische Wahrnehmung des
Rufes einer Nachtigall allein
Klapperschlange
Bild einer Diamond Back Klapperschlange
Klapperschlange
Überlagertes Bild mit synästhetischer
Wahrnehmung des Klapperns der Klapperschlange
Klapperschlange
Synästhetische Wahrnehmung des
Klapperns der Klapperschlange allein
Katze
Bild einer Katze
Katze
Überlagertes Bild mit synästhetischer
Wahrnehmung des Katzenschnurrens
Katze
Synästhetische Wahrnehmung des
Schnurrens der Katze allein

     Die Bilder treffen es niemals so ganz, sondern i. d. R. "nur" so zu 70-80% - mal mehr, mal weniger. Aber für einen ungefähren Eindruck dürften sie ausreichen. Die Visualisierungen sind Standbilder. In der realen Wahrnehmung gibt es solche Standbilder nicht - da ist das alles in Bewegung, wie in einem Film. Um einen solchen Film bin ich mitunter schon gebeten worden und habe das abgelehnt, denn ein Einzelbild - auch wenn man es ihm nicht ansieht - erfordert zig Stunden an Arbeit, weil Bildebene für Bildebene (es können durchaus 80 Ebenen sein) manuell angefertigt werden muss. Dazu ist das betreffende Geräusch wieder und wieder "vor dem inneren Auge" abzubilden bzw. zu Hören-Sehen. Irgendwann wird das langweilig. Für einen Film habe ich weder den Nerv noch die Zeit. Zur Betrachtung bitte auf eine Thumbnail-Abbildung klicken. Die betreffende Grafik wird dann groß in einem separaten Tab geöffnet. Der Klick auf das Lautsprechersymbol lädt den zugehörigen MP3-Sound (soweit vorhanden).


Tiergeräusche

Meine am stärksten ausgeprägte synästhetische Fähigkeit ist das Coloured Hearing, also das Sehen von Tönen, Geräuschen, Musik usw. So etwas lässt sich visualisieren. Der Besuch eines Tierparks, eine Berg- oder Wald- oder Wattwanderung werden damit zum ganz besonderen audiovisuellen Erlebnis.


Buchfink: Buchfinken können einen Höllenlärm veranstalten - vor allem dann, wenn sie eine Katze von ihrem Nest fortlocken wollen. Man hört es durch Wände und zwar pausenlos! Der Schlag eines Buchfinks setzt sich aus etwa einem Dutzend abfallender Schmettertöne zusammen. Jeder Einzelne davon ist für mich eine Ineinanderverschachtelung goldener Kreise. Das Ausgangsmaterial der Kreisformen bildete der Buchstabe "O". Der wurde immer kleiner skaliert und Ebene für Ebene ineinander gefügt. Dieses Ausgangsmaterial erfuhr über mehrere Bildebenen eine Überlappung mit dem Foto eines Buchfinken. Allerdings ist einzuschränken, dass die Proportionen absolut nicht stimmen. Die Laute sind sehr viel größer als der unscheinbare Vogel. Im richtigen Verhältnis abgebildet wäre der Buchfink so winzig ausgefallen, dass man ihn nicht mehr als Vogel hätte erkennen können. Insofern ist die Visualisierung ein Kompromiss.


Diamond Back Klapperschlange: Herbst 1987, Wüste von Arizona. Wenig Sand und vor allem viel Geröll, nur unterbrochen von den allgegenwärtigen Yoshua Trees. Natur pur, keine Menschen weit und breit. Ich liebe solche Gegenden aufgrund ihrer Unberührtheit! Irgendwo am westlichsten Ende der Wüste, am Oak Creek Canyon, liegt Sedona - eine kleine Künstlerkolonie auf einem der schönsten Flecken Erde, die ich bisher kennen lernen durfte. Einmal dort gewesen bekommt man immer wieder so eine Art von "Heimweh"... Eigentlich wäre die Gegend mit ihrer unberührten Wildnis ja herrlich zum Wandern - eigentlich... Sedona war nur noch knapp zwei Autostunden entfernt, als ich anlässlich einer Rast das Geräusch zum ersten Mal hörte. Gefahr! So etwas prägt sich ein, sofort! Das Geräusch ist einmalig, unverwechselbar - kantig, geometrisch, eckig. Es erinnert irgendwie an übereinandergeschichtete - ja was eigentlich? Unmöglich zu sagen. Das Klapperbild ist dem Tier sehr ähnlich. Schlangen fühlen sich sehr trocken, beinahe rau an, irgendwie auch "ledrig". Keinesfalls jedoch glitschig, wie die meisten Leute voreingenommen glauben. Das Bild gibt - zumindest für mein Empfinden - diese "Rauhigkeit" aufgrund seiner Geometrie ziemlich realistisch wieder. Um es anzufertigen, griff ich nach vielen fruchtlosen Versuchen auf das Foto eines Pappkartons zurück. Davon wurde eine Ecke ausgeschnitten. Die verwendete ich dann als Grundelement - mal gedreht, mal skaliert, mal verzerrt und immer irgendwie zufällig kombiniert. Ich habe in meinem Leben mehrere Klapperschlangen gehört. Jedes Geräusch sah ähnlich dem anderen, aber doch ganz charakteristisch eigenständig aus. Wie ein Fingerabdruck.


Hummeln: Ein braungrau-tonfarbenes Brummen, bestehend aus kugelähnlichen Einzelabschnitten von strukturierter Oberfläche kündigt die Gegenwart von Hornissen an - unverwechselbar! Für diese Grafik wurde die REM-Mikrografie vom Facettenauge einer Essigfliege eingefärbt und teiltransparent mit der Makroaufnahme einer Hornisse überlagert. Die runde Form des Bildes ist lediglich ein Gimmick - sie soll den Blick durch ein Mikroskop symbolisieren und auf die Winzigkeit des Objektes hinweisen. Real passen die Größenverhältnisse allerdings nicht zueinander. Das synästhetische Aussehen des Brummens ist weitaus größer als das Tier selbst.


Auerhahn: Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die Auerhähne noch in natura erlebt haben. Das ist allerdings schon ewig her. Als Kind wuchs ich in einer Großfamilie, zusammen mit Onkel, Tante und Großeltern auf. Da gehörte es zur Normalität, dass wir alle zusammen im Wald Beeren zum Einkochen sammelten. Ich muss so ungefähr sechs oder sieben Jahre alt gewesen sein, als wir im Harz irgendwo zwischen dem Torfhaus und dem Todesstreifen zur ehemaligen DDR Heidelbeeren sammelten. Die Gegend war so was von entlegen, dass sich außer ein paar Grenzern niemand dorthin verirrte. Da war die Beerenausbeute am größten. Da lebten damals auch noch die Auerhähne; es war ihr Rückzugsgebiet, Anfang der Sechziger. Beim Heidelbeerensammeln scheuchte ich sie versehentlich auf. Gesehen habe ich sie nur einmal, gehört jedoch häufiger. Heute findet man diese stolzen und scheuen Tiere nur noch in Tierparks - kein Vergleich mit der Natur. Der Ruf des Auerhahns ist ganz eigentümlich-charakteristisch, irgendwie silbrig-Hohlform-artig zusammenstürzend und dann in leicht zischelnden "Messing"-Bögen auslaufend. Beim Bildhintergrund habe ich mir die künstlerische Freiheit erlaubt, einen dunklen Wald zu symbolisieren - so, wie ich ihn noch in der Erinnerung habe. Grundlage der aus zig Bildebenen bestehenden Grafik sind die Aufnahmen von historischen Töpferwaren und Bananen.


Kohlmeise: Wer sagt denn eigentlich, dass man Töne nicht fotografieren kann? Mit einer Spiegelreflex und ein klein wenig an Licht- bzw. Belichtungsspielerei geht das durchaus. Dieses Bild beispielsweise zeigt völlig authentisch den Gesang einer Kohlmeise - so, wie ich ihn synästhetisch wahrnehme. Und dabei ist es ein "As-Is"-Foto! Nichts manipuliert - lediglich Skylightfilter und Gegenlicht wurden eingesetzt. OK, ich gebe es zu - so ein Schnappschuss gelingt mir nicht allzu oft. Eher selten. Eigentlich sogar ziemlich selten ... So etwas ist reiner Zufall!


Katzenschnurren: Die Schnurr-Aufnahme war monaural und irrsinnig verstärkt worden. Das Schnurren selbst erscheint wie mehrere, orange-braune spiralige Bögen, wobei diese "Spiralen" irgendwie unterbrochen bzw. unvollständig sind. Insgesamt also ein doch eher komplexes Bild und das hielt mich auch einige Zeit davon ab, die Visualisierung zu versuchen. Aber gerade das, was ich nicht kann, das reizt mich. Es bedurfte einiger mehr oder weniger zielloser Versuche (um nicht zu sagen "des stundenlangen reinen Rumprobierens"), bis ich den Kniff raus hatte, die Spiralbögen realistisch zu erstellen. Danach ging´s doch recht fix und das Ergebnis halte ich für sehr zufriedenstellend. Wenn ein Geräusch derart verstärkt wird wie dieses Katzenschnurren, dann begreift man auch, warum Katzen als Raubtiere bezeichnet werden... Übrigens ist auch das Bild "verstärkt" worden - sprich vergrößert. Tatsächlich sind die Spiralbögen, wenn ich das Schnurren höre, von sehr viel kleinerer und von feinerer, rhythmisch auf und ab tanzender Struktur. Und: Genau so, wie jede Stimme quasi ein einzigartiger "Fingerabdruck" (und dadurch von sehr hohem Wiedererkennungswert) ist, hat auch jede Katze ihr ganz individuell anders "aussehendes" Schnurren. Natürliche Geräusche sind sehr viel "weicher" und "runder" (eben einzigartiger) als durch Instrumente erzeugte Töne.


Zwei Buckelwale: Cetacea haben mich schon immer fasziniert. Vielleicht, weil sich diese Giganten trotz ihrer Größe so anmutig durch das Wasser bewegen. Vielleicht, weil ihr Gehirn dem Unseren so ähnlich ist. Vielleicht, weil sie mit ihrem Sonar genau wie ein Synästhetiker über eine zusätzliche Wahrnehmungsform verfügen. Walgesänge sind insbesondere in synästhetischer Hinsicht von einer eigentümlichen Schönheit und Komplexität. Wenn man sich entspannt, kann man ihnen stundenlang "zuhörensehen" - genau wie einem klassischen Konzert. Im Unterschied zum Letzteren weisen die Walgesänge jedoch gänzlich andere Strukturen und Farben auf, nämlich weicher und runder, strukturierter. Dies betrifft insbesondere die langgezogenen, mir gelb erscheinenden, entfernt an Ellipsenausschnitte erinnernden Lautäußerungen, während die Sonarklicks eher eine grau-blasenförmige Reihe sind. Bei dieser Visualisierung habe ich mich auf die erstgenannte Gruppe von Lauten beschränkt. Die Hintergrundgeräusche bei den Walgesängen erscheinen mir als dunkelblaue Wirbel. So entstand das Bild vom Buckelwalgesang.

Mausfiepen: Ganz egal, ob im Stadtpark, im Wald, zwischen den Feldern - irgendwann ertönt ein sehr hohes, mehrmaliges Piepsen bzw. Fiepen und man versucht, die Ursache zu ergründen. Normalerweise sieht man die Ursache aber nicht, denn es sind Mäuse: Sehr schnelle, heimliche und versteckte Mäuse. Ich hingegen sehe zuerst das Geräusch und weiß dann schon automatisch, dass es die Mäuse sind. Das Geräusch sieht ganz charakteristisch einzigartig aus. Ganz im Gegensatz den anderen Viechern ist es bei dem nebenstehend abgebildeten Mäusefiepen übrigens so, dass dieses Geräusch für mich bei verschiedenen Mäusen weitestgehend gleich aussieht. Bei Vögeln, Hunden, Katzen etc. ist das nicht so. Diesem Bild liegt das Foto eines Eiszapfens zu Grunde.


Zwei Wölfe: Über acht Jahre lang wohnte ich im Harz. Dort gab es einen privaten Wolfszüchter. Ich habe die Wölfe nie selbst gesehen, nur gehört. Wenn man einmal in einem Tierpark ein in der Sonne dösendes, scheinbar unendlich träges Wolfsrudel gesehen hat, dann glaubt man kaum, mit welcher blitzartigen Geschwindigkeit die Gruppe aufspringen und auf die Jagd gehen kann - das ist allerdings ihr normales Verhalten. In freier Wildbahn sind mir Wölfe erst zweimal begegnet, nämlich als mehr oder weniger harmlose Einzeltiere. Als Einzelgänger sind sie sehr scheu und flüchten vor dem Menschen - daher bezeichne ich sie auch als harmlos. Seit der deutschen Wiedervereinigung tauchen immer öfter mal einzelne Wölfe aus den Ostgebieten auf, denn kein Todesstreifen hält sie mehr auf. In der Zeitung las ich vor geraumer Zeit, dass die westlichste Wolfs-Sichtung aus Bielefeld stammt. Im Frühjahr 2004 muss mal wieder einer bei uns am Deister vorbeigekommen sein, jedenfalls wachte ich nachts von dem charakteristischen und unverwechselbaren Geheul auf. Das war auch der Anlass für diese Visualisisierung. Zu hören ist das laute Heulen eines nahen Wolfes (aus synästhetischer Sicht die große Röhren-ähnliche Form im Vordergrund) und die leisere Antwort eines entfernteren Wolfs (die kleinere Struktur). Für das Bild nahm ich das Foto antiker Tonröhren.


Fledermausruf (Kleiner Abendsegler): Fledermäuse gibt´s an meinem Wohnort in Norddeutschland am Deister reichlich. Vielleicht liegt das daran, dass wir viele alte Gebäude haben, zuzüglich vier Schlösser bzw. Burgen. Wenn man im Frühjahr oder Herbst abends auf dem Balkon sitzt, dann kann man den Tieren zusehen - sie sind phantastische Flieger! Im Sommer hingegen sind sie nur nachts unterwegs, weil ihre Nahrungskonkurrenten - die Schwalben - die Dämmerung zur Jagd nutzen. Fledermäuse sind i. d. R. lautlos, da ihr Ruf im Ultraschallbereich angesiedelt und somit für das menschliche Ohr unhörbar ist. Manchmal jedoch - selten! - geben sie auch niederfrequente, einzelne bis doppelte Quietsch-Laute von sich. Die Einzel- und Doppellaute habe ich einfach - damit man die Tierstimme auch richtig "hörensehen" kann - hintereinander kopiert. Nach der Sequenz entstand dann das Bild. Insgesamt sind es zwei Laute, welche sich abwechseln. Da ist zunächst die Folge dieser spitzen Wellenberge (Doppel-Quietschlaut). Dann folgt das "Blubber"-Geräusch (Einzellaut). Dann wieder die Wellen usw. Aus synästhetischer Sicht sind die Töne vollkommen unterschiedlich. Während die Wellen mir noch als am ehesten definierbare, abgegrenzte geometrische Form in orange-lila erscheinen, schimmern die unscharfen Blubber-Laute metallisch-nass-bläulich und ähneln irgendwo einer Art von Zahn.


Fauchen eines Luchses: Der Luchs als ehemalige einheimische Raubkatze wird langsam wieder in Deutschland heimisch und das ist auch gut so. Im Winter 2002 bemerkte ich erstmals Luchsspuren - am Gartenende, beim durchwühlten Komposter. Kurze Zeit später fand ich im Schnee nochmal Spuren am Waldrand, denen ich nachging. Es gibt da bei uns ein ganz kleines Waldgebiet, welches nicht bewirtschaftet wird und vollkommen urtümlich ist, eine Art von europäischem Dschungel. Die Spuren führten dort hinein. Zweimal habe ich den Luchs da sehen können (einmal sogar fotografiert). Gehört habe ich ihn wesentlich öfter. Das Tier ist unwahrscheinlich scheu. Seit im Herbst 2003 dort Aufforstungsmaßnahmen stattgefunden haben, ist das Tier leider wieder verschwunden - es hat sich wahrscheinlich ein neues Revier gesucht. Wenn man es gewohnt ist, sich im Wald nahezu lautlos zu bewegen, dann fällt einem unweigerlich der dortige permanente Geräuschhintergrund auf: das Rascheln von Laub, das Knacken von Zweigen, das Ächzen der sich im Wind bewegenden Bäume usw. Mit erscheint das nur allzu oft wie feine, farbige Linien irgendwo im Raum. Insofern war der in meinem "Fundus" vorhandene Fraktalhintergund nahezu perfekt. Den Luchslaut selbst nehme ich gelblich-marmoriert, gebogen-ausfasernd wahr. Die Visualisierung trifft das ganz gut.


Nachtigall: Eine warme Mainacht und dann das Singen eines Vogels - was könnte es anderes sein als eine Nachtigall! Für das "Düü-Düü" der Nachtigall wurde eine REM-Mikrografie mit einem Metallwhisker auf der Scherbe einer durchgebrannten Sicherung gescannt und ausgeschnitten. Die Whiskerform wurde invertiert, gespiegelt, lagerichtig gedreht und nach Palettenerweiterung rötlich eingefärbt. Es folgte das neunmalige Kopieren auf den Hintergrund. Ganz anders war die Vorgehensweise bei der "Trällerexplosion". Hier bildeten vier mit Cool 3D in unterschiedlicher Größe erzeugte und ineinander kopierte Buchstaben "O" das Grundmaterial. Die Übergänge in der Form wurden manuell korrigiert und danach wurde anamorph skaliert. Das bunte "Auslaufen" des Trällerns entstammt dem Screenshot eines Visualisierungs-Plugins für Sonique. Der Screenshot wurde manuell stark nachbearbeitet (geschnitten, gedreht, koloriert, skaliert usw.) und dann mit der O-Ellipse kombiniert. Die Kombination wurde größennormiert und nach Lagekorrektur in die erste Montage mit dem "Düü-Düü" einkopiert. Dann noch die Kanten etwas geglättet und fertig. Alles zusammen erstreckte sich einige Stunden über zwei Feierabende lang, etwa fünfzig verschiedene Bildebenen umfassend.

Musik

Musik beurteile ich primär nach dem Aussehen, sekundär nach dem Text und erst zuletzt nach dem Rhythmus. Folglich fängt mein Musikgeschmack auch bei Weltmusik an und geht über Klassik bis hin zu Death Metal. Mainstream ist das nicht gerade und ich kenne einige Personen, die meinen Musikgeschmack daher als "furchtbar" beschreiben. Na und?!?


Sitar-Konzert: Rein musikalisch kann ich mit indischer Musik meistens nicht all zuviel anfangen. Andererseits aber hat der Klang einer Sitar - vor allem dann, wenn sie zusammen mit Sarod und Tabla im Orchester gespielt wird - mit den zahllosen Schnüren, Kringeln und Goldtönen ein faszinierendes Aussehen. So etwa wie auf diesem Orchesterbild. Nicht immer, aber bei einigen Stücken und insbesondere dann, wenn das von Ravi Shankar gespielt wird (hier: "Bangla Dhun"). Für diese Grafik wurden die Makroaufnahmen von einer Pusteblume und von mehreren Bartflechten miteinander kombiniert, teiltransparent überlagert und farblich verändert.


Regeneration von Sashiva (I): Bilder synästhetischer Wahrnehmung lassen sich auf vielfältige Weise erzeugen: Durch Computergrafik, Malerei, Fotografie usw., wobei die Fotografie wohl eher die Ausnahme bildet. Im Falle des Musikstückes "Regeneration" von Sashiva handelt es sich um zufällig entstandene Fotografien, deren Ausleuchtung im Nachhinein verändert worden ist. Fotografiert wurden dabei die Reflektionen des Sonnenlichts durch eine Kinderwindmühle. Nach der Ausleuchtungskorrektur spiegeln diese Fotos in geradezu phantastisch realistischer Weise die Wahrnehmung von Sashivas Musik wieder.


Regeneration von Sashiva (II): Die Fotos bilden immer nur Momentaufnahmen des gut eine Stunde langen Stückes. Die Musik selbst wird mit tibetischen "Singenden Schüsseln" gemacht. Dabei handelt es sich um eine im Westen kaum bekannte Methode zur Erzeugung sphärischer Klänge mit Hilfe der Eigenresonanz von handgearbeiteten Metallschüsseln, welche i. d. R. aus fünf verschiedenen Metallen bestehen. Diese Schüsseln geben - mit Holz angeschlagen oder gerieben - simultan fünf interferierende Resonanzfrequenzen ab: In synästhetischer Hinsicht eine Farbkaskade! Der Ursprung der "Singenden Schüsseln" ist auf die vorbuddhistische Schamanen-Bon-Po-Kultur um etwa 1000 v. Chr. zurück zu führen. Heute bilden diese Instrumente mit ihrem unverwechselbaren Klang eines der bestgehüteten Geheimnisse buddhistischer Klöster und werden zu Meditationsübungen eingesetzt.


Regeneration von Sashiva (III): Die "Regeneration"-Grafiken sind in gewisser Hinsicht mehr als "nur" Coloured-Hearing-Visualisierungen und auch mehr als nur "As-Is"-Fotos von synästhetischer Wahrnehmung. Man erinnere sich: Im Orginal wurden Lichtreflexionen von einer sich drehenden Kinderwindmühle aufgenommen. Die "Regeneration"-Grafiken sind daher nur Standbilder, nur Momentaufnahmen, aus einem komplexen und sich nie gleichartig wiederholenden Bewegungsablauf. Das eröffnet unter Verwendung einer geeigneten Technik im Prinzip durchaus die Möglichkeit der filmischen Darstellung einer Coloured-Hearing-Wahrnehmung mit vergleichsweise einfachen Mitteln.


Regeneration von Sashiva (IV): Klangschalen spielen im buddhistischen Leben vor allem bei religiösen Zeremonien eine nicht zu unterschätzende Rolle, wenn es darum geht, Räume mit Klang zu füllen. Die Schalen werden zu Meditationszwecken, in Konzerten, zur Klangtherapie und zur Klangmassage verwendet. Auch die traditionelle chinesische Medizin (TCM) bedient sich ihrer. Es kann nur darüber spekuliert werden, inwiefern die Tatsache eine Rolle spielt, dass der Ton "g" bei diesen Schalen dominant ist. Ein Erdentag dauert exakt 23 Stunden und 56 Minuten. Nimmt man den Kehrwert davon, dann erhält man eine physikalische Schwingung. In den hörbaren Bereich hinein oktaviert ergibt sie den Ton "g". Noch höher oktaviert entspricht dieser "Erdenton" der Eigenresonanz von menschlicher DNS. Fungieren die Klangschalen daher möglicherweise chronobiologisch synchronisierend?


Regeneration von Sashiva (V): "Singende Schüsseln" bzw. Klangschalen sind von der Form her annähernd halbkugelförmig und bestehen aus schwerem Material von geringer Dämpfung. Der Durchmesser einer Klangschale variiert zwischen zehn und über fünfzig Zentimeter. Traditionell werden sie aus mehreren Metallen (Legierung) hergestellt, und zwar in der Regel aus Kupfer, Eisen, Zinn, Blei, Quecksilber, Silber und Gold auf kaltem Wege. Die meisten Klangschalen, die heute im Handel erhältlich sind, sind Reproduktionen; teilweise werden sie im Westen nach traditionellem Vorbild angefertigt. Jeder tibetische Mönch besitzt nur eine einzige solche Schale; über ihre spirituelle Verwendung werden keine Informationen gegeben.


Eine Kleine Nachtmusik von W. A. Mozart: Um die Visualisierung komplexer Musikstücke einigermaßen hinzubekommen, muss schon der Hintergrund selbst komplex sein. Den liefert das Synästhesie-PlugIn für den alten Sonique-Player. Änderung von Ausleuchtung, Helligkeit und Kontrast - danach weichzeichnen. Nun der Vordergrund. Das Rohmaterial liefert ein WinAmp-PlugIn. Die flächigeren Partien mehrerer Screenshots können zu den Bogenformen kombiniert werden. Die Formen werden aus zig verschiedenen Screenshotausschnitten zusammengesetzt. Dann bemühe ich einen HTML-Editor und bastele mir eine kleine Tabelle mit der Hintergrundgrafik als Tabellenhintergrund. Jetzt wird das erste Vordergrundelement mit Hilfe von erzwungen Leerzeichen und CSS darauf positioniert. Screenshot davon! Der wird durch Beschneiden auf die richtige Größe gebracht und bildet den nächsten Tabellenhintergrund. Jetzt wieder die Vordergrundelement-Positionierung wie gehabt - usw. bis es fertig ist. Jetzt fehlt nur noch etwas Bewegungsunschärfe, aber die liefert PSP. Voila - ein winziger Augenblick (nettes Wortspiel!) aus Mozarts "Kleiner Nachtmusik".


Kristallnaach von BAP: Kristallnaach beginnt mit einem sehr niederfrequenten, etwas verrauschten Brummen, welches ich dunkelblau-schwarz sehe. Ich bastele daher einen leicht gestuften blau-schwarz Web-Hintergrund. Mit Unschärfefiltern beseitige ich die Stufung: Fertig ist der Hintergrund. In den Brummton mischen sich einzelne, weiche Klavierakkorde. Sie erscheinen mir goldgelb, länglich-schräg und mit rot-kupfernem Rand. Mit dem WinAmp-Synesthesia-PlugIn erzeuge ich mehrere Screenshots. Einer beinhaltet eine mir geeignet erscheinende Form, welche ausgeschnitten wird. Es schließt sich die Beseitigung von Artefakten (überzähliger Pixel) an, was durch Radieren und Übermalen geschieht. Dieser Schritt ist sehr arbeitsaufwendig. Danach anamorph skalieren. Der Ausschnitt aus dem Screenshot ist viel zu rund - der Klavierakkord sieht länglicher aus. Entsprechend wird er jetzt verzerrt und danach frei in eine adäquat erscheinende Lage gedreht. Nun geht es an das abschließende Zusammenfügen von Vorder- und Hintergrund. Das Klavierakkord-Vordergrundelement wird geladen - sein Hintergrund ist schwarz. Mit der Auswahl-Umkehrungsfunktion wird das Element in die Zwischenablage kopiert (wobei ich "Schwarz" auf "Transparent" setze) und von dort aus nach dem Laden des bereits vorgefertigten schwarz-blauen Hintergrundes unter Beibehaltung seiner Transparenz als neue Ebene einkopiert sowie an die richtige Stelle geschoben. Das Bild stellt einen statischen Sekundenbruchteil aus der synästhetischen Wahrnehmung dar.


Oxygene VIII von Jean Michel Jarre: Oxygene von Jean Michel Jarre hat mich schon beim Erscheinen in den Siebzigern fasziniert, weil die Musik reine Synästhesie ist. Das ursprüngliche Oxygene weist bei mir einen blau-rot-schwarz gemaserten Hintergrund auf. Die Fortsetzung (also ab Oxygene VII) erscheint mir nur dunkelrot-schwarz gemasert. Warum der Unterschied da ist, kann ich nicht sagen. Die zapfenähnlichen Gebilde im Vordergrund (die Töne) sind dreidimensional und schwingen pro einzelnem Ton beim Verklingen hintereinander-überlappend. Für die Grafik wird ein "I" zum Zapfen verformt und dann wieder gespeichert. Isolieren Ausschneiden und von diesem einzelnen Vordergrundelement zig Varianten anfertigen. Der erste Ton sieht eindeutig bläulich aus. Folglich wird eine Kopie des Basiselements bläulich eingefärbt. Die nächsten Töne sind türkisartig, grünlich und rötlich-violett. Bei Verklingen eines jeden Tons sind mindestens vier im Raum "verwehende" Schwingungen ("Schwuppse") erkennbar. Ich brauche pro Ton also vier Elemente der richtigen Farbe, welche immer kleiner und immer durchsichtiger werden. Zusätzlich werden die Grundtöne "optisch niedriger". Ich versehe den hellgrünen Hintergrund des ersten Elements mit Transparenz und platziere das dann entsprechend als neue Ebene auf der Hintergrundgrafik. Das nächste Element wird verkleinert, sein Hintergrund wieder transparent gemacht und mit 80% Deckfähigkeit eingefügt. Dann folgen die entsprechenden 60%- und 40%-Schritte für diesen ersten Ton. Beim zweiten bis vierten Ton wird prinzipiell genauso vorgegangen. Auch dieses Bild ist nur ein winziger statischer Ausschnitt aus der dynamischen Wahrnehmung.


Penguin Planet von Void Main: Aus meiner synästhetischen Sichtweise hat der Titel eine (sehr) entfernte Ähnlichkeit mit einer Blume. Da ist zunächst der Hintergrund - gebastelt durch reines Rumprobieren, ebenso wie diese imitierten Vogelstimmen, welche mir gelblich-weiß erscheinen. Insgesamt fertige ich zwölf Grundmuster an und pappe sie auf einen schwarzen Hintergrund, welcher später transparent gesetzt werden kann. Die Grundmuster werden mit dem Hintergrund zusammengebracht. Sieht schon einigermaßen echt aus, hat aber noch viel zu scharfe Kanten. Im Original ist's verwaschener. Die Kanten "weiche" ich mit einem Wind-Filter und mit Gauss-Nebel auf. Im Vordergrund sind zwei Linien: Gelblich-silbern-metallisch und gut differenzierbar in Ellipsenform von links und rot-golden voluminös von rechts (die später einsetzenden Beats). Was danach kommt, gleicht einer irgendwie dumpfen Explosion, der "Blüte", ist also rötlich, hell und zerfranst. Der Vordergrund stellt mich vor ziemliche Probleme. Ein Screenshot des Synaesthesiea-PlugIns für Sonique könnte vielleicht einen Teil der rechten Beats bilden. Also stürze ich mich erst mal darauf. Bis hierher habe ich ungefähr 70 Einzelebenen gebraucht; bislang etwa vier Stunden Arbeit. Kommen Ausschnitte von weiteren Screenshots hinzu, teils auch manuelle Malerei. Alles zusammen kopieren. Jetzt fehlen noch die gelblich-metallischen Ellipsen von rechts. Ich konstruiere eine Reihe von 3D-"O"s. Die werden richtig gefärbt, ausgeleuchtet und perspektivisch verzeichnet. Danach wird alles zusammengefügt. Sieht ziemlich korrekt aus.


Silver Machine von Hawkwind: Silver Machine fand ich schon in den Siebzigern irre abgefahren - vor allem den Anfang des Songs in der Studioversion. Die Form des Sounds entspricht ziemlich genau dem Aussehen eines kräftig verformten roten Blutkörperchens im REM bei 2000facher Vergrößerung - weswegen die Visualisierung hier vergleichsweise wenig Arbeit machte (insgesamt wurden nur etwa 30 Bilder benötigt). Diesmal beginne ich mit dem Vordergrund. Zuerst nehme ich ein rotes Blutkörperchen (pardon: eine Mikrografie davon). Das wird eingescannt, manipuliert. Die Farbe stimmt danach. Die Form bedarf einer umfangreichen Nachbearbeitung. Es fehlt noch der Hintergrund und der ist dunkelrot-marmoriert. Ich bastele mir eine Test-HTML-Seite mit diesem Background. Screenshot davon, Ausschneiden der roten Fläche und fertig ist der Hintergrund. Der wird jetzt geladen. Zusätzlich lade ich das Vordergrundelement. Aus dem wird jetzt das Partikel als Auswahl rauskopiert und Stück für Stück als neue Ebene eingefügt. Es wird eine 3-Pixel-Bewegungsunschärfe Richtung 30° NNO hinzugefügt - und jetzt passt's!


Tubular Bells von Mike Oldfield: Mike Oldfield hat gute wie auch schlechte Stücke gemacht. In einem Interview sagte er einmal wörtlich: "I see the music." Interessant ... Der Anfang von Tubular Bells gefiel mir immer schon recht gut - einerseits wegen des eindeutig blauen Hintergrunds und andererseits die hin- und hertanzenden Silberringe mit rötlich schimmernden Bässen unterlegt. Minimalistisch und gut. Der Hintergrund ist diesmal kein Thema, sondern einfach nur eine blaue Fläche. Im Vordergrund brauche ich die tiefroten Bässe und - vor allem! - die Silberringe. Silberringe...? Nichts einfacher als das: Ich habe ja einen Flachbettscanner. Da kann man eine Kette drauflegen und die Klappe offen lassen. Gesagt, getan. Jetzt geht´s an das Nachbearbeiten der Ringe, was sehr arbeitsaufwendig ist und viele Stunden erfordert. Fehlen noch die Bässe - relativ breite rote, ganz schwach strukturierte, unscharf-abgerundete "Balken" mit dem Farbton von Kupferoxid. Ein Screenshotausschnitt des WinAmp-Synaesthesia-PlugIns wird anamorph skaliert und durch Morphing "zurechtgezupft". Dann folgt freies Drehen. Erst jetzt ist die Form so, wie ich sie sehe. Das wird zu den Ringen einkopiert. Fast fertig. Größe und Kantenunschärfe stimmen noch nicht - dunkle Töne sind zwar voluminös wie dargestellt, aber nicht von exakt definierbarer Form. Folglich vergrößere ich das Ganze und versehe es mit leichter Unschärfe. Nur an der richtigen Räumlichkeit mangelt es jetzt noch.

Posaunenfanfare: Das Bild zeigt meine synästhetische Wahrnehmung einer Posaunenfanfare. Da muss zunächst einmal der Begriff erläutert werden. Aus einem mir völlig unbekannten Grunde gleichen sich die synästhetischen Wahrnehmungen eines Fanfarenstoßes und einer Posaune sehr stark (bei anderen Instrumenten ist das niemals so!). Wenn ich das höre/sehe, führt es dazu, dass ich beide Instrumente niemals korrekt auseinanderhalten kann. Deswegen spreche ich auch von einer "Posaunenfanfare". Was soll ich da noch groß zu sagen? Vielleicht, dass ich so etwas normalerweise meide, weil es aufgrund der Lautstärke zu groß und zu blendend ist. Es führt sehr schnell zur Reizüberflutung. Auch diese Grafik ist ein - na ja, fast - fotografiertes Geräusch. Zugrunde liegt ein Sonnenuntergang, aus dem Wald heraus und zwischen den Bäumen hindurch gesehen. Davon isolierte ich einen Ausschnitt und zeichnete ihn weich. Immerhin: Die Natur kann synästhetische Geräuschwahrnehmung besser wiedergeben als das beste Grafikprogramm.


Technobeats: OK, ich gebe ja zu, dass es auch gute Techno-Tracks gibt. Aber nicht viele. Im allgemeinen finde ich Technobeats ziemlich nervig. Darüber hinaus sehen sie hässlich aus - wie auf dieser Grafik. Aufgrund ihrer Lautstärke dominieren sie, sind riesig, füllen das gesamte Gesichtsfeld aus, überlagern alles. Das stört mich gewaltig. Deswegen wird mich auch niemand zu einer House-Party überreden können. Da lobe ich mir doch richtige Kultur - sowas wie CCR, Deep Purple, Led Zeppelin, Ozzy Osburne, Ted Nugent ... Die Grundlage für diese Visualisierung bildete ein (mächtig verfremdetes) Foto von einem Bienenkorb - vielleicht, weil das Summen von Bienen aus synästhetischer Sicht eine (sehr!) entfernte Ähnlichkeit mit den Beats hat. Nur bringen die Bienen das viel natürlicher und viel runder.

Menschliche Stimmen

Meine audiovisuelle Integration ist eher dürftig ausgeprägt. Das bedeutet, dass ich kaum von den Lippen ablesen kann. Auch kann ich mir keine Gesichter merken. Aber das Aussehen von Stimmen ist unverkennbar. An der Stimme erkenne ich auch noch nach Jahren Menschen wieder, die sich äußerlich komplett verändert haben.


Candice Night: Stimmen sind aufgrund ihres ganz charakteristischen Aussehens wie individuelle Fingerabdrücke - unverwechselbar und von hohem Wiedererkennungswert. Wie einzigartige Muster. Im vorliegenden Fall handelt es sich um das Stimmenmuster der Sängerin Candice Night, wie es im synästhetischen Fantasy-Roman "Norgast" beschrieben worden ist (Zitat): "...mit einer Stimme, die er wahrnahm wie golden-reifes Korn, welches kurz vor der Ernte nass geworden ist und von unwirklichen Nebelschwaden durchzogen wird, sagte sie..." Und Korn war es auch, welches die Grundlage für diese Grafik bildete - genauer gesagt, ein Feld mit grüner, unreifer Gerste, vom Wind durchtost. Das betreffende Foto wurde mit Unschärfe versehen, bräunlich koloriert und erfuhr eine veränderte Ausleuchtung. Durch die Überlagerung mit einem gleichen Bild von noch höherer Unschärfe und einer manuellen Nachbearbeitung der Überlappungsränder wurde versucht, eine Art von Nebeleffekt einzuarbeiten. Leider gelang dies nur ansatzweise, so dass diese Stimmenmuster-Grafik das reale Aussehen der Stimme nur höchst unzureichend wiedergibt. Dennoch vermittelt das Bild eine ungefähre, grobe Vorstellung von der synästhetischen Wahrnehmung dieser einmaligen Stimme.


Achim Reichel: Diese Grafik zeigt die Stimme des Sängers Achim Reichel - individuell und unverwechselbar, was besonders im Vergleich mit anderen Stimm-Mustern (tierisch wie menschlich) überdeutlich wird. Das Ausgangsmaterial für die Grafik war die Makroaufnahme eines mit polarisiertem Licht angestrahlten Doppelspat- (Islandspat-) Kristalls. Hinzu kamen noch Skalierungen und Überlagerungen mit teiltransparenten Bildebenen sowie einige Stunden an Arbeit. Bei dem diesem Stimmen-Fingerabdruck zu Grunde liegenden Lied handelt es sich um die "Regenballade". Das beigefügte Soundmuster ist jedoch mit "Herr von Ribbeck" aus Platzgründen ein anderes.


Johnny Cash: Zu Johnny Cash braucht man nicht viel zu sagen. Er war ein großartiger Sänger. Seine Musik war für mich zwar in synästhetischer Hinsicht nie sonderlich ansprechend, dafür aber sah seine Stimme nur um so markanter aus. Und die Texte seiner Songs hatten das gewisse Etwas, trugen immer seine Ansichten weiter und waren kaum Mainstream. Cash war jemand, der sagte, was er meint. Gefällt mir. Oder, um es mit Ambrose Bierce auszudrücken (Zitat): "Ein Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung Dinge sieht, wie sie sind, statt wie sie sein sollten." Der Synn-Grafik lagen verformte und gefilterte Halbkreise sowie der Ausschnitt von einem Foto der Meeresschnecke Aplysia zu Grunde.

60-Personen-Nichtsynnie-Feier: Pflichtveranstaltung Feier (Jubiläum, Geburtstag ...) - Teilnahme um des lieben Friedens Willen. Weil man sich bei sowas sehen lassen muss. Sechzig Leute in einem Saal. So richtig kennt man sich nicht; einige sind fremd. Aber laut. Reden um des Redens Willen. Nur hört keiner dem anderen zu - jedenfalls nicht richtig. Das wird durch sinnfreies Gelabere wett gemacht: Eine Bombenstimmung! Laut. Groß! Entnervend! Einzelne Wortfetzen aufdringlich im Vordergrund, dahinter ein Einheitsbrei aus überdimensioniert aussehender Lautstärke. Reden ohne zu kommunizieren. Synästhesie kann manchmal belastend sein - vor allem dann, wenn man kurz zuvor bei einem Synnie-Treffen einen gänzlich anderen, wesentlich angenehmeren Eindruck hatte. Dieses Bild entstand "unter Schock" und im Affekt. Zugrunde liegt die REM-Mikrografie einer Gänsefeder.

Hustenanfall: Erkältung, verschleimte Bronchien - wer kennt das nicht? Kommentar überflüssig. Dann wird gehustet, so wie auf diesem Bild. Hier dreimal hintereinander. Sieht genauso hässlich aus, wie es sich anhört und auch anfühlt. Das Ausgangsmaterial für diese Grafik bildete die unterbelichtete Aufnahme eines Felsens in einer Höhle. Höhlen üben auf mich einen ganz besonderen Reiz aus ... Dann kamen mehrere Grafikproggies zum Einsatz ...

Schmerz

Es gibt einige Arten von Schmerz, die ich synästhetisch-visuell erfassen kann. Mitunter ist das nützlich. Denn es gestattet bspw. die Differenzierung zwischen Kopfschmerz und Migräne im Anfangsstadium und somit die passende Medikation. Auch ist es hin und wieder möglich, anhand der visuellen Wahrnehmung das Schmerzgeschehen zu beeinflussen und das stärkste Medikament überhaupt - nämlich die Selbstheilungskräfte - zu akrivieren. Denn mal ehrlich: Was sind Pharmaka anderes als die Zwerge auf den Schultern eines Riesen? Sie können unterstützen, OK. Aber heilen muss ein Kranker sich selbst.

Muskelkrampf (Wadenkrampf): Halbschlaf und dann völlig unerwartet ein heftiges Zusammenzucken, zumeist sogar sehr schmerzhaft - ein Muskelkrampf. Wer kennt das nicht! In dem Augenblick wütet sich die Synästhesie förmlich in den Vordergrund, überdeckt alles andere. Ein paar Sekunden der Orientierungslosigkeit sind die Folge. So ästhetisch es vielleicht aussehen mag, so eklig fühlt es sich aber auch an. Dieses Bild war ursprünglich einmal ein Foto von meiner Tochter bei einem Spaziergang. Das wurde gefiltert. Mehrfach.

Kopfschmerz: Das hier ist noch eine Schmerzform, wie sie sich mir synästhetisch-bildlich darstellt, nämlich ein ganz ordinärer Kopfschmerz, wie ihn wohl jede(r) kennt. Ein dumpfer Druck im Kopf, vornehmlich im Bereich der Stirn. Erkältungskrankheiten fangen meist so an. Dieser Visualisierung lag ein Felsen auf Mallorca zugrunde. Das Bild wurde gedreht, öfters weichgezeichnet, farblich verändert und mehrfach gefiltert.

Flimmerskotom bei Migräne: Eine Art von Rauchschleier vor dem linken Auge bildet sich, der seltsamerweise auch dann bestehen bleibt, wenn man das Auge schließt. Aus dem Schleier wird ein nebliger Fleck, einem undeutlichen Vollmond hinter Wolken nicht unähnlich - jedoch oval und vertikal ausgerichtet. Lichtblitze sind hinzu gekommen und in die Länge gezogen. Sie ähneln Vogelrufen, aber sie sind sehr viel greller. Störend! Facetten sind zu sehen. All das strebt diskontinuierlich langsam aber sicher dem Rand des Fleckens zu. Am Rand verschmilzt alles miteinander, erst ein schwaches Leuchten, dann zunehmend. Grell-übersteuerte, gezackte, sich unablässig bewegende Linien und Muster entstehen. Immer dort, wo es eben noch besonders blendend aufgeblitzt hat, ist im nächsten Moment ein schwärzliches Geringel zu erfassen. Vielleicht eine Art von optischem Negativ-Effekt. Der unerträglich blendende Rand des Flecks dehnt sich aus, der Fleck selbst auch. Jedes Geräusch, jede synästhetische Wahrnehmung, jeder rein optische Reiz fließt jetzt unerträglich verstärkt in den grellbunten Zackenrand mit ein, bildet ein Ganzes und verstärkt ihn. Was ist welche Wahrnehmung? Welchen Einfluss haben Akustik, Optik, Synästhesie? Es ist nicht mehr zu differenzieren.

Migräneaura: Sich verändernde Synästhesien. Übersteuert und in Fehlfarben. Zu groß, pickelig, abstoßend, falsch - die Migräneaura bildet sich. Eine ganz massive Sehstörung, die jede zielgerichtete Tätigkeit unmöglich macht. Wenn sie abklingt, dann überrollt der hämmernde Schmerz den Kopf wie ein D-Zug. Allerdings nicht immer. Es gibt auch schmerzlose Anfälle. Eine Entgleisung des hirninternen Hormongleichgewichts ist die Ursache. Das dem LSD25 verwandte Dihydroergotamintartrat hilft dagegen. Tetrahydrocannabinol auch. Ebenso 3,4-Methylendioxymethamphetamin oder Ketamin. Doch all das ist illegal. Was hinsichtlich des Schmerzes bleibt, sind die ungleich teureren und Nebenwirkungs-reicheren Triptane - so sie denn von den Apotheken überhaupt geführt werden, was nicht immer der Fall ist. Das Nachsehen hat der Migräniker. Den Verdienst hat die Pharmaindustrie.

Migräneschmerz: Der eigentliche Migräne-Kopfschmerz - zuerst hämmernd und pochend, später dann eine pulsierende Last im Kopf - ist für mich synästhetisch sichtbar. Er besteht aus einer schmutzig-weißen Scheibe mit asymmetrisch umlaufendem, zerfaserndem grauen Rand in einer Kopfhälfte. Leider ist es mir nicht gelungen, in das Bild die zugehörige Räumlichkeit mit einfließen zu lassen. Ein - leider nicht immer funktionelles - Verfahren zum Besiegen des Schmerzes besteht darin, die reguläre und die synästhetische Wahrnehmung für einige Stunden umzukehren, d. h. die Synästhesie "in den Vordergrund" zu holen. Im gleichen Maße, wie die modulare Wahrnehmung zurück gedrängt wird, vermindert sich auch der Schmerz. Den Versuch ist die Methode allemal wert.

Migräneanfall: Migräneanfälle können in unterschiedlicher Stärke verlaufen. Am schlimmsten ist der Anfall, der die Wahrnehmungg lahmlegt und über kurz oder lang in einer Bewusstlosigkeit mündet. Die messtechnisch erfassbare, elektrische Erregungswelle, auch "Spreading Depolarization" oder kurz SD genannt, entlädt dann die Nervenzellen im Gehirn und macht sie damit funktionsuntauglich. Mit drei Millimetern pro Minute wälzt sie sich durch das Nervengewebe und stört das Gleichgewicht der Ionenverteilung. Egal, ob Sehrinde, Hörzentrum oder was auch immer betroffen ist: Dort funktioniert das Gehirn für eine gewisse Zeit nicht mehr. Was dann an Wahrnehmung übrig bleibt, hat mit unserer so genannten "Realität" nichts mehr zu tun. Vielleicht aber mit Synästhgesie. Vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht.

Bauchschmerzen: Die synästhetische Wahrnehmung von Bauchschmerzen ist diffus und nicht klar erfassbar. Sie ähnelt hinsichtlich der Formen den Kopfschmerzen, doch sind gänzlich andere Farbgebungen zugegen. Bei der Anfertigung dieser Grafik bin ich ähnlich wie bei dem Kopfschmerz-Bild (s. o.) vorgegangen. Allerdings war der Felsen ein anderer ...

Lumbago (Hexenschuss): Ein stechender Schmerz im Rücken, sich verteilend - typisches Merkmal eines Hexenschusses. Dieser Schmerz erscheint mir nachtschwarz vor orange-genarbtem Hintergrund, dabei aber dendritisch-fraktal. Den Hintergrund dieser Grafik bildete folglich auch eine farblich etwas verfremdete Mikrografie der Haut. Die schwarzen Schmerzmuster selbst sind die gespiegelten und zusammengefügten Silhouetten eines Baumes.

Natur

Der Mensch braucht die Natur. Aber die Natur braucht den Menschen nicht. Wer die Natur mit allen Sinnen erfährt, der kann sehr viel von ihr lernen.

Brandungsrauschen von Meereswellen: In Norddeutschland ist das Meer nicht mehr weit. Was liegt also näher, als das Rauschen von Meereswellen darzustellen - zumal ich ein paar meiner Kindheitsjahre an der Nordseeküste verbracht habe? Wasser kann auf die unterschiedlichsten Arten rauschen, jedes mal mit anderem Aussehen. Deshalb sollte man sich auch davor hüten, diese Grafik als allgemeingültig anzusehen. Den Ursprung des Bildes bildeten übrigens die Fotos von zwei verharschten, angetauten Altschneedecken. Mehrere Layer, Kantenverstärkung, Ausleuchtung und Schattierung geändert - na ja... Zumindest ist es der synästhetischen Wahrnehmung ähnlich.

Rollsplit unter den Fahrradreifen: Fahren aus eigener Kraft in der Natur. Dabei eine schier endlose Kette von grau-schwarzen Kristallen, nach allen Seiten spritzend: Das ist der Klang von Rollsplit! Mal groß, mal klein. Häufig nur eine Art von "innerem Gemurmel". Für die Visualisierung kombinierte ich mehrere teiltransparente Fotos von Schneeflocken mit dem Bild eines Radfahrers.


Farben Hören - Nordlicht: Am 15.05.2004, kurz vor Mitternacht, sah ich eine (zumindest in Norddeutschland) recht seltene Leuchterscheinung am Himmel: ein Polarlicht. Polarlichter entstehen, weil das Erdmagnetfeld geladene Teilchen einfängt, die von der Sonne ausgestoßen werden. Die Leuchterscheinungen sind umso wahrscheinlicher, je größer die Sonnenfleckenaktivität ist. Das ich zum richtigen Zeitpunkt nach draußen ging und es am Horizont erblickte, war reine Glückssache. Aber es geschah gleichzeitig noch etwas überaus Unwahrscheinliches. Da ich "Coloured-Hearing"-Synästhetiker bin, sehe ich Töne als farbige Formen. Der umgekehrte Weg, nämlich das Hören von Tönen beim Betrachten von Farben, passiert mir nur sehr selten und wenn, dann mit gänzlich anderer Form-Farb-Zuordnung. Dies war so ein seltener Fall. Das Orangerot des Polarlichts hörte sich ganz eigentümlich an, mit einer sehr (!) entfernten Ähnlichkeit zum Schwingen eines gespannten Gummibandes. Eine Aufnahme vom Letzteren bildete dann auch mein Rohmaterial, an welchem ich mit Hilfe einer Reihe von Soundbearbeitungsprogrammen herumexperimentierte, um die Polarlichterscheinung zu "akustifizieren". Das zugehörige Bild habe ich nicht selbst fotografiert. Vielmehr bemühte ich Google hinsichtlich einer einigermaßen passenden Aufnahme, die ich dann über Helligkeit und Ausleuchtung so umgearbeitet habe, dass sie dem gleicht, was ich gesehen (und gehört!) habe.


Platzregen: Platzregen, welcher wie ein Wasservorhang fällt - so wie auf diesem Bild wirkt der auf mich, wie Hunderte oder Tausende von aufeinander geschütteten Kristallen. Ein überaus komplexes und höchst interessantes Geräusch, welches fraktale Züge aufweist: Immer ähnlich, aber niemals gleich. Jedes mal neu und jedes mal wieder interessant. Keine Wiederholungen. Und auch ein sich beständig verändertes Geräusch - je mehr Wasser sich schon auf dem Erdboden angesammelt hat, desto "verwaschener" (im wahrsten Sinne des Wortes!) sieht es aus. Selbstorganisation eines indeterministischen Systems - ein Grundprinzip der Natur, welches mich fasziniert, seit ich mich (beruflich und jahrelang) intensiver mit Chaos-Mathematik befasst habe. Daher entspricht diese Grafik auch nur dem Beginn eines Regengusses. Als Ausgangsmaterial dafür verwendete ich eine eingescannte Abbildung von Brillianten auf Samt. Die wurde ausschnittsweise immer und immer wieder teiltransparent überlagert.

Platschen eines ins Wasser geworfenen Steins: Wer kennt nicht das typische "Plitsch-Blub-Gluck"-Geräusch, wenn man einen Stein ins Wasser wirft? Na klar! Hört sich jedesmal ein kleines Bisschen anders an, ist aber immer wieder ähnlich. Auch so ein fraktales Naturgeräusch. Für mich sieht das so aus wie auf diesem Bild. Idealisiert jedenfalls. Tatsächlich sind da immer noch zahllose Neben- und Randgeräusche. Die fehlen in dieser Grafik. Grundlage der Visualisierung waren die mit Hilfe einer Fresnell-Linse angefertigten Makrofotografien dreier verschiedener Regentropfen, jeweils ausgeleuchtet mit polarisiertem Licht. Die wurden dann ausgeschnitten und kombiniert. Hört sich zwar einfach an, bedurfte aber neben viel Handarbeit zahlloser Layer - und hat auch entsprechend viel Zeit gekostet.

Quatschen von Matsch und Morast unter den Schuhen: "Ich kam von meinem Wege ab,/ weil es so nebeldunstig war./ Der Wald war feuchtkalt wie ein Grab,/ und Finger griffen in mein Haar .../ Dann setz´ ich wieder Bein vor Bein/ und komme so gemach vom Fleck,/ und quutsch´ im letzten Abendschein/ schwer vorwärts durch Morast und Dreck. (aus: Ina Seidel/ Achim Reichel - Die Regenballade)" Auch bei Regen machen Waldspaziergänge Spaß - die richtige Kleidung voraus gesetzt. Ich liebe das Geräusch des "Schmatzens" von Morast und Schlamm an den Schuhen (auch wenn das Gehen dadurch schwer fällt). Dieses Geräusch zeigt die Grafik. Um sie anzufertigen, besorgte ich mir aus einer eutropierten Pfütze ein paar Blaualgen, praktizierte die in einen Glas-Diarahmen, projizierte das an die Wand und fotografierte es ab. Das eingescannte Foto wurde danach farblich verfremdet.

Rascheln von Laub: Ich bin es gewohnt, mich im Wald möglichst lautlos zu bewegen, um Wild vor die Kamera zu bekommen (das Fotografieren von Wild ist nämlich viel einfacher als bspw. das von Kindern). Nur mit dem "lautlos" gibt es im Herbst Schwierigkeiten, wenn überall Laub und Bucheckern herum liegen. Jeder Schritt bewirkt Rascheln und Knacken. Das sieht dann ungefähr so aus wie auf diesem Bild. Als Rohmaterial verwendete ich ein Foto der ausgewaschenen Steilwand einer Sandsteinklippe im letzten Abendschein (war vom Klettern her nicht ganz so leicht erreichbar, aber ich hab's hinbekommen), welche nach zwar kurzer, aber riskanter Klettertour erklommen war (was tut man nicht alles für ein brauchbares Foto!). Vom Foto nahm ich einen Ausschnitt, bei dem Helligkeit, Kontrast, Ausleuchtung und Lage so verändert worden sind, dass das konkave Braun-Weiß dieser Geräusche einigermaßen richtig zum Ausdruck kommt.

Fahrtwind: Starker Wind, welcher am Ohr vorbeistreicht, verursacht ja häufig so eine Art von grummelndem Rauschen im Ohr - bei Sturm, bei Bergabfahrten mit dem Fahrrad usw. Dieses Geräusch sieht für mich wie die nebenstehende Grafik aus. Genau wie das Regengeräusch trägt es fraktale Züge - immer (selbst)ähnlich, jedoch niemals gleich und folglich auch immer wieder neu. Es wird ja behauptet, dass der fraktale Charakter der Natur auch ihr Grundprinzip darstellt. Ich schätze mal, dass das auf natürliche Geräusche ebenso zutrifft. Für dieses Bild kombinierte ich einen Wolken-Web-Hintergrund mit teiltransparenten, gedrehten und skalierten Ausschnitten aus Tornado-Fotos. Zum Schluss wurde dann alles noch nachkoloriert.

Der Rabe im Wald: Der Rabe im Wald oder Die Subjektivität der Realität. Die Umgebung erscheint urplötzlich unwirklich, fremdartig oder auch räumlich verändert. Führte nicht dieser Weg oder diese Straße noch gestern woanders lang? Stand dieses oder jenes Gebäude schon immer hier? Jeweils folgt ein kurzer Moment der Irritation, hervorgerufen durch Derealisation. Auch "jamais-vu" genannt, das Gegenteil von "deja-vu". Auffallend viele Synästheten berichten über derartige Erlebnisse. Warum? Ist unsere Realität vielleicht doch sehr viel weniger real als mancher glaubt? Entsteht die Realität erst in unseren Gehirnen? Und welchen sinn hätte es dann, vermeintlichen "Reichtümern" hinterher zu rennen? Die Wahrnehmungen von Synästheten und Nichtsynästheten sind unterschiedlich - aber dennoch beide "wahr". Das schließt eine absolute Realität aus. Die Quantenphysik bestätigt das. Diese "Mehrfachwahrnehmung verschiedener Realitäten" soll das Bild verdeutlichen. Der eine sieht einen Raben, seit jeher ein Symbol für Weisheit, der andere einen Wald. Beides ist gleichberechtigt "wahr". Ich wählte diese Grafik als Titelbild meines Fantasy-Romans "Norgast".

Alltagsgeräusche

Das Erste, was ein Säugling noch im Mutterleib wahrnimmt, sind Geräusche. Wir leben in einer Welt aus Geräuschen. Auch im Alltag. Nicht immer ist das schön. Manchmal nervt es auch! Je lauter, desto größer ... Je höher, desto heller und blendender ...

Klappern einer Tür: Es gibt für mich auch ein paar regelrechte "Hassgeräusche". Geräusche, welche ich um's Verrecken nicht ausstehen kann. So bspw. das Klappern einer Tür. Ich finde es einfach ätzend, wenn der Wind hinter eine Tür fasst, die aber nicht ins Schloss wirft, sondern stattdessen nur zwei- bis dreimal gegen den Rahmen ditschen lässt. Nervig! Dann ein paar Sekunden Ruhe, danach das Spielchen von vorne. Ein Geräusch mit etwas anderem Aussehen, aber dem Ersten sehr ähnlich: Fraktal! Sowas lenkt ab. Vor allem der beständig wechselnde und sich aufgrund der Klapperlautstärke aufdrängende optische Eindruck lenkt ab - von allem! Deswegen kann ich beim länger andauernden Türenklappern richtiggehend austicken. Vor allem dann, wenn man schon fünfzig Mal hingerannt ist, um das Ding zuzumachen und irgend so ein synästhetisch tauber Hirni aus der Gattung homo sapiens ignorantus es wieder offen lässt. Ich gebe es zu: Manchmal habe ich schon mit dem Gedanken gespielt, besagte Tür zuzunageln ... Dieses Geräusch ist tatsächlich dazu angetan, meine Laune auf den absoluten Nullpunkt sinken zu lassen! Für diese Grafik verfremdete ich das Foto eines Holzbalkens.

Kreischen einer Kreissäge: Genau wie das Türenklappern, so ist auch dieses Geräusch für mich ein typisches "Hassgeräusch". Es ist das Kreischen einer Kreissäge. Ein Hassgeräusch ist es gleich in mehrfacher Hinsicht. Nicht nur, weil es sich grausig anhört und ziemlich besch... aussieht. Zu meinen Synästhesien gehört auch (wenngleich schwach ausgeprägt) das Sehen von Schmerz. Und der Schmerz bei einem sehr starken Migräneanfall kurz vor der Bewusstlosigkeit sieht ähnlich aus. Wenn ich lange mit einer Kreissäge arbeiten muss, dann entwickelt sich bei mir häufig auch Migräne. Wahrscheinlich gibt es da einen Zusammenhang zwischen Synästhesie/ Geräusch/ Migräne - welcher Art auch immer. Jedenfalls kann ich das Geräusch nicht ausstehen. Das geht so weit, dass ich auch bei größeren Holzarbeiten lieber zu Bügelsäge oder Fuchsschwanz greife - auch wenn's mit der Kreissäge wesentlich einfacher wäre. Es ist einer der ganz überaus seltenen Fälle, bei denen mich die Synästhesie wirklicht nervt und stört. Für diese Grafik nahm ich wieder ein Langzeit-Belichtungs-Feuerwerks-Bild, aus welchem ich einen Teil ausschnitt und das Element dann manipulierte und kombinierte.

Schallplattenknackser: Egal, ob Schellack oder Vinyl - es soll ja Leute geben, die noch eine richtige Schallplattensammlung besitzen. Ich gehöre auch dazu. Das Digitalisieren dieser Sammlung zieht sich ewig hin, wenn man die Aufnahmen richtig verbessert: Entknacksen, Entrumpeln, Dynamikexpansion usw. Immerhin - bei pfleglicher Behandlung erweisen sich Schallplatten als sehr langlebige Datenträger. Allemal langlebiger als CDs! Aber auch die am pfleglichsten behandelte Platte entwickelt irgendwann ein "Schssstkracks" oder so ähnlich - eben die typischen, hässlichen Knackser. Die sehen für mich so aus wie auf dem nebenstehenden Bild: Genau so hässlich, wie sie sich auch anhören. Zur Grafik selbst: Eigentlich experimentierte ich nur mit der Freeware Harm's Tile (ein Superprogramm!) rum, um die Sammlung meiner Web-Hintergründe zu erweitern. Zufällig und quasi als Abfallprodukt generierte ich dann einen "Knackser"-Hintergrund, aus welchem ich eine Form ausschnitt und mit mehreren Grafikproggies weiter bearbeitete.

Glockengeläut aus der Ferne: Sonntag Morgen, windstill und aus der Ferne hört man das Geläut von Kirchenglocken. Die sehen für mich etwa so aus wie auf dem Bild - dreidimensional sinusartig, golden-metallisch schimmernd und mit einer angedeuteten kreisartigen Oberflächentextur. Zwischen verschiedenen Glocken gibt es natürlich Unterschiede, aber die sind längst nicht so groß wie bspw. bei Motoren. So wie in der Grafik lässt sich das auch nur aus der Ferne wahrnehmen. Steht man näher dran, dann wird aufgrund der höheren Lautstärke alles dermaßen viel größer, dass es ineinander läuft und sich überdeckt. Eine Differenzierung gibt es dann nicht mehr - das sieht nur noch störend aus. Diesem Bild liegt ein mit Cool3D erstelltes kleines "L" zugrunde, welches mit diversen Grafikprogrammen - allen voran diesmal PhotoFiltre561 - verfremdet worden ist.

Zischen des Ventils eines Schnellkochtopfes: Ein Schnellkochtopf ist 'ne prima Sache. Nur, wenn er zu heiß wird, dann ertönt das typische "pschsssst...", mit dem das Überdruckventil den Dampf ablässt. Dann sollte man schnellstens die Hitze reduzieren, damit sich das Problem nicht schlagartig löst (... BUMM! ...). Jedenfalls betrachte ich dieses Bild als Warnsignal. Der Visualisierung zugrunde liegt das Foto eines länglichen Steins in einer Pfütze - ausgeschnitten und skaliert. Und ein paar Mal umgefummelt, so gut 40-50 Bildebenen.

Gewehrschuss: Dieses Bild zeigt einen nahen Gewehrschuss, besser gesagt, den von einer Schrotflinte. Der Deister ist Niederwild-, vor allem aber Wildschwein-Jagdgebiet. Und wenn die Viecher sich über die Gärten hermachen (die schrecken ja auch vor nichts zurück) dann wird eben wieder gejagt. Zur Bestandsregulierung hat das sogar seine Berechtigung, auch wenn ich sonst nicht gerade ein Jagdfreund bin. Jedenfalls hört man auf diese Weise des öfteren Schüsse aus der Nähe und ist das Geräusch gewohnt. Je näher, desto blendender. Auch dies ist ein "As-Is"-Foto, ein direkt fotografiertes synästhetisches Geräusch. Abgelichtet wurde dazu ein Feuerwerk, nachts mit der Kamera vor dem offenen Fenster auf einem Stativ, mit langer Belichtungszeit und dann auf gut Glück. Der lange helle Streifen entspricht dem Schuss selbst, der kurze Streifen seinem Echo.

Ticken dreier Uhren: Dieses Bild zeigt im Vergleich das Ticken dreier Uhren. Von oben nach unten: Pendel-Wanduhr, elektromechanischer Aldi-Reisewecker (über 30 Jahre alt) und meine Armbanduhr. Die Größenverhältnisse stimmen natürlich nicht, denn von oben nach unten würde alles sehr viel kleiner werden. Nur ließe es sich dann nicht mehr vernünftig darstellen. Deswegen ist das Geräusch oben auch verkleinert, während die beiden anderen vergrößert sind. Je nach Uhr sieht das Ticken synästhetisch ganz charakteristisch unterschiedlich aus - vielleicht auch wieder ein Hinweis darauf, warum Synnies gerade Alltäglichkeiten sehr differenziert zu erfassen und zu beurteilen vermögen. Nichtsynnies können das durchaus mit einem Schwarz-Weiß-Foto vergleichen, bei welchem bestimmte Feinheiten erst durch das Nachkolorieren deutlich zutage treten. Dieses Nachkolorieren entspräche hier der synästhetischen Wahrnehmung. Dem ersten Ticken liegt eine Mischung aus Freihandzeichnung und Collage zugrunde. Für das zweite Ticken verwendete ich ein dreidimensionales kleines "L" und das letzte Ticken schließlich ist ein modifizierter Halbkreis mit strukturiertem und koloriertem Hintergrund.

Wienerpiepton: Ich habe im Rahmen meiner Probandentätigkeit in der Synästhesieforschung an mehreren Studien teilgenommen. Eine davon beinhaltete mehrere "Reaktionstests nach Wiener" und bei einem dieser Tests war sowohl auf Geräusche wie auch auf Optik zu reagieren (Multitasking). Das Piepton-Geräusch visualisierte ich auf Anfrage aus der MH Hannover hin (Auftragsarbeit).

Arbeitsgeräusch des fMRI-Scanners: Eine weitere MH-Auftragsarbeit und auch wieder im Rahmen einer Studie aus der Synästhesieforschung entstanden zeigt das Arbeitsgeräusch des fMRI-Scanners (Kernspintomograph), mit dem meine Synästhesie unzweifelhaft belegt worden ist. So eine Untersuchung unter Deprivationist ist allerdings nicht jedermanns Sache ... Das Tack-Tack-Tack des Gerätes ist die rote Zickzacklinie. Das Sirren (ich nehme an, das war das Positionieren) ist die Gitterstruktur. Beide Geräusche kamen nicht simultan und insofern ist das Ganze eine Montage zweier Betriebszustände. Die Grafik entstand aus dem Gedächtnis heraus, weil ich mir synästhetische Eindrücke besser als nichtsynästhetische Eindrücke merken kann.

Motoren

Motorengeräusche sind für mich genauso unverwechselbar wie die "Stimmen-Fingerabdrücke". Insofern sind ein paar der folgenden Grafiken auch schon für die Sounddesigner großer Automobilkonzerne von Interesse gewesen.

Harley-Davidson: Einmalig und unverwechselbar - der Sound einer Harley Davidson. Die zylinderartigen Gebilde entsprechen dabei dem urtümlichen "Blubbern" des Motors, während die Linien im Hintergrund durch das typische "Schmatzen" der Maschine hervorgerufen werden. Die Grafik entstand aus einem Web-Hintergrund, in welchen eine gebrochene Kohlefaser aus der REM-Mikrografie eines Verbundwerkstoffes mehrfach einkopiert und anschließend verfremdet wurde. Als Sekundenbruchteil-Ausschnitt trifft sie es schon ziemlich gut - allerdings nur das stehende Motorrad betreffend. Eine vorbeifahrende Harley ruft einen ganz anderen Eindruck hervor.

Rotorknattern eines Helikopters: Das Rotorknattern eines Hubschraubers ist nur sehr schwer lokalisierbar, da es je nachdem, wie nahe der Helikopter ist, durchaus das gesamte Gesichtsfeld ausfüllen kann. Bei diesem Bild wurde der Hubschrauber aus einem Foto freigestellt. Das "Knattermuster" hingegen entstammt dem x mal bearbeiteten Bild vom Ei eines Katzenhais. Beides wurde anschließend kombiniert.

Elektrorasenmäher im Leerlauf: So etwa sieht für mich das Geräusch eines elektrischen Rasenmähers aus, wenn er im Leerlauf betrieben wird. Unter Last kommen dann da noch so eine Art von pfeilförmigen, hellen Lanzen dazu - die Knackgeräusche, wenn irgend etwas abgeschnitten wird. Mit einem Benzinmäher ist das in keinster Weise vergleichbar, da gibt es ein völlig anderes Geräusch-Aussehen. Das Basismaterial dieses Bildes bildete die REM-Aufnahme eines durchgebrannten Kupferdrahtes.

Motorengeräusch eines VW-Käfers: Auch unverwechselbar ist der Klang eines echten, also eines luftgekühlten VW-Motors, also der Sound meines Uralt-Käfers (einem Auto, welchem ich heute noch nachtrauere und das ich abgeben musste, weil die Mäkelköppe Kalli und Hörni vom TÜV mit den Worten "Seien Sie froh, dass Sie das Auto nicht vom Hof schieben müssen" überall was dran auszusetzen hatten ...). Jedenfalls ist auch dieser Motor unverwechselbar und auf Anhieb aus Hunderten herauszufinden. Gar kein Vergleich mit dem Beetle-Verpackungsschwindel! Vergleicht man mal die beiden Motorenbilder von Harley-Davidson und VW-Käfer, dann wird vielleicht auch für Nichtsynästhetiker deutlich, warum Synnies im allgemeinen so gute Problemlöser sind. Synnies "hörensehen" eben, wo sich was verändert bzw. ob in dem Bild vor dem inneren Auge irgend etwas nicht stimmt. Für diese Grafik stand übrigens eine nachkolorierte REM-Mikrografie von Salzgitter-Bohnerz Pate - einem speziellen Eisenerz, dessen Lagerstätten längst erschöpft sind ...

Draußen vorbeifahrendes Auto: Das hier hat auch noch was mit Motoren zu tun. So etwa nehme ich nämlich ein vorbeifahrendes Auto wahr, wenn ich im Haus bin. Draußen ist das greller, gelblich-rötlicher, deutlicher. Wenn ich "so etwa" sage, dann bedeutet das, dass dieses Bild idealisiert ist. Jedes Autogeräusch sieht individuell etwas anders aus. Aber die Grafik gibt zumindest die ungefähre Richtung wieder (und das sogar ziemlich genau). Real ist die Farboberfläche je nach Auto individuell strukturiert-gemasert. Bei diesem idealisierten Bild habe ich mir die Freiheit genommen, das verallgemeinernd weich zu zeichnen. Aufgefallen ist mir hier, dass der Schall-Dopplereffekt sich auch synästhetisch niederschlägt. Mit einem Auto ist so ein Bild ja OK. Aber bei sehr vielen ... Deswegen mache ich um Städte auch meist einen Bogen. Da wird das dann sonst zuviel. Das Rohmaterial für diese Grafik war ursprünglich mal ein Screenshot des Synaesthesia-PlugIns für WinAmp. Aber davon ist nach der ganzen Bearbeitung mit zig Grafikproggies nicht mehr viel übrig geblieben.

Kammertöne

Im Rahmen der Synästhesie-Studien an der MH Hannover lag ich mehrfach im Kernspin. Dabei waren mit Ausnahme des Gehörs sämtliche Wahrnehmungskanäle ausgeschaltet worden - dunkel, unbeweglich usw. Es wurden dann Kammertöne eingespielt und man maß dadurch eine Aktivierung der Sehrinde an. Gut, Musik wäre mir zwar lieber gewesen ... Zwecks Vergleich mit anderen Synnies bat man mich im Anschluss um die Visualisierung der Töne. So entstanden die folgenden Auftragsarbeiten, die etwa die Hälfte der Töne umfassen. Die Töne waren dann später anhand der Bilder natürlich wiederzuerkennen ...


Ton 1 (Klavier): Ausgangsmaterial waren zwei Kristallfotos, nämlich Islandspat und Plagioklas. Die wurden pixelgenau manuell ausgeschnitten, sakliert und einander überlagert (verschmolzen). Danach folgte Kolorierung, um aus den eher grauen Bildern das "goldgelb" schimmernde Aussehen des Sounds zu machen (tatsächlich sieht die Oberfläche irgendwie glasartig aus, aber das habe ich nicht richtig hinbekommen). Dann Lagekorrektur durch Drehen, anamorphes Skalieren, wieder Drehen, wieder anamorphes Skalieren. Bis hierher 1,5 Stunden Arbeit. Das Bild ist dadurch immer größer geworden und musste anschließend erstmal wieder verkleinert werden. Es folgte das nur höchst unzureichend gelungene "Ausfasern" unten rechts mit Hilfe eines Karikaturprogramms und simultan das "Aufblasen" der Auflösung, um das Bild druckmaschinenkompatibel werden zu lassen. Jetzt fehlte der Hintergrund, ein sehr dunkler, blauartiger Farbverlauf. Dazu war eine Hilfskonstruktion nötig, von der ein Screenshot angefertigt worden ist. Der Hintergrund wurde mehrfach weichgezeichnet und mit Unschärfe versehen; danach Korrektur von Helligkeit und Kontrast sowie "Aufblasen" der Auflösung auf 300 DPI, um Vorder- und Hintergrund miteinander kompatibel zu machen. Zuletzt wurde der Vordergrund (der eigentliche Ton) ausgeschnitten und in den Hintergrund kopiert. Dann nochmal alles Überflüssige weggeschnitten, Größe und Auflösung korrigiert und ... Und das Ergebnis sieht ziemlich besch... aus. Trifft's vielleicht so zu 60-70%. Die Dreidimensionalität ist auf der Strecke geblieben, der Randübergang sieht aus wie hingestümpert, vom glasartigen Oberflächenschimmer ist nichts mehr übrig und das "Ausfasern" sieht eher aus, als wenn's mit der Tapetenquaste gemalt worden wäre. Na ja, ist halt ein Versuch ... und das Ergebnis von zweieinhalb Stunden Grafikbastelei. Man kann nicht alles haben - ich hatte schon zutreffendere Bilder, aber auch deutlich schlechtere.


Ton 2 (Sinus): Ton 2 erscheint röhrenförmig in einer Art von gemasertem Silbergrau-Silberweiß vor einem dunkel-körnigen Hintergrund. Das Ausgangsmaterial bildete daher auch das Bild eines Rohres. Nach einigen vergebliche Versuchen (try and error) wurde festgestellt, dass ein Foto dafür allerdings nicht infrage kommt, da es die Wiedergabe der Oberflächentextur dieser "synästhetischen Röhre" nur unzureichend gestattet. Stattdessen bildete die Zeichnung eines eloxierten Aluminiumrohres das Ausgangsmaterial. Zunächst wurde die betreffende Grafik lagekorrigiert, anschließend anamorph skaliert ("in die Länge gezogen"), um der Dauer des Sounds Rechnung zu tragen. Es folgte durch Übermalen die Farbkorrektur des Röhreninnern, was allerdings nur höchst unzureichend gelungen ist, da dessen Farbe so im normalen Spektrum gar nicht vorkommt (sg. "imaginäre Farbe"). Das Braun stellt somit nur eine grobe Näherung dar. Der Sound selbst scheint zum Ende hin in transparenter Form zu verblassen. Um dies zu visualisieren, erfolgte das Übermalen mit Teildeckung. Dieser Vorgang erfolgte komplett manuell und war recht zeitaufwändig. Damit war der Sound an sich fertig gestellt. Im nächsten Schritt musste dieses Bildelement mit einem geeigneten Hintergrund kombiniert werden. Den Hintergrund bildete das unterbelichtete Foto eines dunklen Sternenhimmels, etwas vergrößert und dadurch bewusst unscharf gemacht - dies kommt der "Körnung" (woher auch immer die rühren mag) noch am nächsten. Das Röhrenelement wurde anschließend in unterschiedlicher Form maskiert, kopiert und als Bildebene in den Hintergrund eingefügt. Dies geschah mehrmals mit unterschiedlichen Bildteilen des Elements. Zuletzt schließlich wurden noch störende Pixel durch Übermalen beseitigt. Arbeitszeit etwa 1,5 Stunden. Das Bild trifft zwar die synästhetische Wahrnehmung des Tones recht gut, verhält sich zu dem, was vor dem inneren Auge tatsächlich erscheint aber in etwa so, wie sich das Gemälde einer Landschaft zum Foto derselben verhält.


Ton 3 (Klavier): Der Ton hat ein ganz eigentümliches, zwillingskristallines Aussehen. Letzteres erinnerte mich an Natriummetaboratkristalle (die aber nicht als Zwillinge vorkommen), wie ich sie im Rahmen der Laborarbeit früher einmal erzeugt hatte, ohne dies beabsichtigt zu haben. Ich suchte ergo für das Rohmaterial nach Fotos von Na-Metaboratkristallen und stieß dabei in einem Mineralienlexikon auf eine natürlich vorkommende Modifikation, nämlich den Kernit. Kernit kommt allerdings nicht in Form von Kristallzwillingen vor, was bedeutete, dass zwei Fotos benötigt werden. Google lieferte zwei Monokristallbilder. Bei beiden Fotos wurden die Kristalle zunächst durch Übermalen aller nicht notwendigen Bildteile isoliert, anschließend einzeln hinsichtlich ihrer Lage und Größe korrigiert. Nun passten die Farben nicht und wurden nachgebessert. Die beiden Teile des den Sound repräsentierenden Zwillingskristalls lagen damit vor. Es folgte das teiltransparente Verschmelzen beider Elemente zu einem Bild - dem Vordergrundelement, dem eigentlichen Ton. Fehlte noch der Hintergrund. Der erschien mir in diesem Fall dunkelrot mit Textur (möglicherweise spielt bei der Färbung des "inneren Monitors" die Tagesform eine Rolle, aber das ist rein spekulativ). Da ich seit Jahren als Webdesigner tätig bin, baute sich im Laufe der Zeit eine Art von "Fundus" verschiedener Bestandteile von Webseiten auf. Ich sichtete ergo meinen diesbezüglichen "Katalog" und fand einen von der Textur her geeigneten Hintergrund. Der wurde farblich korrigiert, größennormiert sowie weichgezeichnet und dort fügte ich das Vordergrundelement - den Sound - ein. Das Bild trifft es recht gut. Arbeitszeit rund zwei Stunden.


Ton 4 (Klavier): Der Sound weist eine frappierende Ähnlichkeit mit einem schräg im Raum stehenden, geschliffenen und quaderförmigen Edelstein auf. Dabei liegt ein Farbverlauf von blassgelb (oben) nach dunkelgelb, fast schon orange (unten) vor. Da kein entsprechendes Bild als Ausgangsmaterial zur Verfügung stand, suchte ich bei Google unter Bildern mit dem Begriff "Edelstein". Das Foto eines Ametrins schien geeignet zu sein. Es wurde runter geladen und der Schmuckstein durch Übermalen des Hintergrundes isoliert. Danach erfolgte eine Lagekorrektur durch Drehen. Die Form des Bildelementes war in Folge zwar weitgehend in Ordnung, doch sein Farbverlauf (dunkelgelb nach violett) sowie die Proportionen passten nicht. Folglich wurde anamorph skaliert (Strecken des Bildes in der Horizontalen und Stauchen des Bildes in der Vertikalen). Dadurch allerdings kam es zur Formverzerrung - aus dem Rechteck der Abbildung war nun ein Trapez geworden. Dies wurde manuell mit Hilfe eines Karikatur-Trickprogramms korrigiert. Auch auf die Lage im Raum blieb die Skalierung nicht ohne Einfluss, so dass eine erneute Lagekorrektur durch Drehen erforderlich wurde. Form und Oberfläche passten jetzt in etwa, nicht jedoch der Farbverlauf. Dessen Korrektur geschah durch Anpassen der Farbtöne und durch multiple Veränderung der Ausleuchtung. Soviel zum Vordergrundelement, dem eigentlich Ton. Der Hintergrund erschien mir wie ein schwarz-dunkelblauer Farbverlauf. Einen entsprechenden Verlauf hatte ich in meinem Fundus an Backgrounds für Webseiten, allerdings in umgekehrter Form. Ergo wurde eine kleine HTML-Leerdatei mit eben diesem Hintergrund erstellt, als Screenshot abfotografiert, das Farbfeld ausgeschnitten und um 180° gedreht. Auf diesen Hintergrund nun erfolgte die Montage des Vordergrundes. Das Bild trifft das tatsächliche Aussehen des Tones auffallend gut; ich würde es als 80% Übereinstimmung ansehen; lediglich der Farbverlauf entspricht weder beim Hinter- noch beim Vordergrund ganz der echten Wahrnehmung. Hinsichtlich des Hintergrundes bin ich selbst Schuld: Da habe ich das Weichzeichnen vergessen. Nachträglich war es nicht mehr möglich, denn das hätte das Bild zerstört. Arbeitszeit rund drei Stunden ...


Ton 5 (Gitarre): Dieses Geräusch weist eine recht komplexe Struktur auf, was die Visualisierung enorm erschwert hat. Der Ton selbst ist ähnlich einem schrägen, polierten Holzstab, doch sein Verklingen mündet in einer Art von gemaserter Fächerstruktur. Daher wurde bei der Visualisierung dieses Sounds extrem viel mit Versuch und Irrtum gearbeitet. Die Ausgangsmaterialien waren: Das eingescannte Foto eines Eichenholzstabes, das runtergeladene Foto eines Holzfurniers und die Makroaufnahme eines kurzflorigen Teppichbodens. Den Holzstab isolierte ich zunächst durch Übermalen des Hintergrundes, was längst nicht perfekt gelang. Das Holzfurnier, welches dem Verklingen des Tones entspricht, wurde unter DigiFoto mehrfach mit einem Verzerrungsfilter behandelt, um eine Kissenverzeichnung zu erhalten, deren untere Partie mittels Übermalen entfernt worden ist. Hinzugefügt wurde eine leichte Bewegungsunschärfe in Richtung der Maserung. Mittels try and error wurde die Lage korrigiert; im nächsten Schritt variierte ich auch per Versuch und Irrtum die Größe, damit das Furnierbild zum Stab passte. Anschließend verschmolz ich beides miteinander zum Vordergrundelement, dem eigentlichen Ton. Für den Hintergrund verwendete ich das Teppichfoto, welches hinsichtlich Belichtung, Korrektur, Sättigung und Färbung kräftig verfremdet worden ist. Dort hinein kopierte ich das Vordergrundelement. Leider wies das aber nun einen umlaufenden und äußerst störenden (da verfälschenden) weißen Rand auf. Der wurde durch teiltransparentes Übermalen halbwegs beseitigt. Insgesamt aber ist diese Visualisierung eher unbefriedigend, da sie das tatsächliche Aussehen des Sounds nur zu vielleicht 60-70% trifft. Für einen groben Eindruck sollte es allerdings ausreichen. Arbeitszeit: Gut fünf Stunden bei knapp 40 Einzelbildern bzw. Bildebenen.


Ton 6 (Geige): Der Geigenton; ein goldgelbes Gebilde mit bräunlichem Rand. Zuerst läuft es in die Mitte und verklingt dann in Form einer mehr und mehr abflachenden Dinuswelle mit dem Vibrato. An diesem Bild bin ich fast verzweifelt, denn meine Standardvorgehensweise, die darin besteht, vorhandene Objekte abzuändern und neu miteinander zu kombinieren, war hier nicht einsetzbar. Einfach schon deswegen, weil mir so ein "Gebilde" wie dieser Ton rein optisch nicht bekannt ist. Nach zahlreichen zeitraubenden und fruchtlosen Versuchen entschied ich mich dann letztlich doch für die Freihandzeichnung. Dabei habe ich ganz bewusst in Kauf genommen, dass nur eine sehr grobe Näherung dabei herauskommen kann. Der gelbe Bogen müsste eigentlich goldfarbener und hinsichtlich seiner Wellenform auch sehr viel glatter im Sinne von sinusähnlicher sein. Leider stand mir dafür weder das nötige Grafiktablett noch eine geeignete Software zur Verfügung. Es muss auch so gehen und der bräunliche Rand des Sounds fehlt leider ganz. Warum der Hintergrund dunkelgrün-verwaschen ist, weiß ich nicht. Es erscheint mir eben so. Der Ton selbst wurde mit dem Malprogramm Artweaver angefertigt und der Hintergrund ist ein hinsichtlich Unschärfe und Grünfärbung umgearbeiteter Background für Webseiten. Die Montage erfolgte mit PSP. Wenn man dieses Bild, das das tatsächliche Aussehen nur mit viel Wohlwollen zu vielleicht 50% trifft, nimmt, dann war das eine knappe halbe Stunde an Arbeitszeit. Rechnet man die zahllosen und vergeblichen Versuche zuvor mit, dann waren es Tage.


Ton 7 (Fagott): Dieser Sound ist etwas undeutlich, da er für mich wie Braun auf Braun wirkt. Der Ton selbst erinnerte an eine Tonröhre, wie sie in den sechziger Jahren bei alten Abwasserleitungen Verwendung fanden. Leider konnte ich kein entsprechendes Bild mehr auftreiben und überlegte, wo so etwas noch eingesetzt wird. Die Lösung lieferte der Heimtierbedarf: Tonröhren dienen als Verstecke und Spielgeräte für Chinchillas. Und exakt auf dieser Schiene wurde ich hinsichtlich eines geeigneten Bildes für das Rohmaterial auch fündig. BTW: Beruht darauf vielleicht die uns Synnies nachgesagte Kreativität? Auf den gedanklichen Pirouetten, die man drehen muss, um einem Nichtsynästheten unsere Form der Wahrnehmung nahe zu bringen? Möglich wäre es jedenfalls ... Jedenfalls folgte dann die übliche Vorgehensweise: Bildisolierung durch Übermalen aller nicht benötigten Teile des Fotos, Lagekorrektur, anamorphes Skalieren und Montage mit einem geeigneten Web-Hintergrund. Zuletzt erfolgte noch ein Weichzeichnen. Die Visualisierung trifft es recht gut, schätzungsweise zu 90% und erforderte rund eine Stune an Arbeit. Störend ist nur der tatsächlich nicht vorhandene und im Rahmen des Einfügens übrig gebliebene weiße Rand um den röhrenförmigen Sound.


Ton 8 (Vibraphon): Das Aussehen dieses Sounds erinnert entfernt an zwei einander überlappende und teiltransparent miteinander verwachsene Beryll-Kristalle (Beryll ist ein Halbedelstein von meist goldgelber Färbung). Allerdings kommen diese Kristalle in der wahrgenommenen Form in der Natur nicht vor, so dass von vornherein feststand, dass bei dem Ton selbst mit mindestens zwei Fotos gearbeitet wrden muss. Beide wurden aus dem Web herunter geladen und die darauf sichtbaren Einzelkristalle zunächst isoliert. Bei dem aufrecht stehenden Kristall stimmten weder räumliche Orientierung noch Färbung. Beides wurde angepasst. Dann erfolgte die Montage des Vordergrundelementes, also des eigentlichen Tones, wobei der aufrechte Baustein teiltransparent eingefügt wurde. So ganz ist das nicht geglückt, denn der aufrecht stehende Kristall müsste eigentlich noch etwas flacher mit dem anderen verwachsen sein. Doch in Anbetracht des Arbeitsaufwandes habe ich es so belassen. Der Hintergrund erscheint mir hier tiefblau. BTW: Ist es vorstellbar, dass die Hintergrundfarbe (also quasi der innere Monitor oder das innere Auge) von der Farbe der eigentlichen Synn-Wahrnehmung abhängt? Jedenfalls wurden Vorder- und Hintergrund (wieder ein halbwegs passender Webseitenhintergrund) miteinander verschmolzen. Das Resultat passte schon ganz gut, wies aber noch zu beseitigende Artefakte auf - und es war entschieden zu kantig. Die Artefaktbeseitigung geschah manuell und die Kantigkeit wurde durch durch doppeltes, starkes Weichzeichnen beseitigt. Zeitaufwand knapp zwei Stunden bei rund 20 Bildebenen und Übereinstimmung grob geschätzt etwa 80%.


Ton 9 (Klavier): Auch hier zeichnet sich das Geräusch wieder durch ein kristallartiges Aussehen aus. Die Kristallform entspricht in etwa der des seltenen Lithium-Minerals Neptunit, nicht jedoch die Färbung. Für diese Visualisierung wurde das Foto eines Neptunitkristalls herunter geladen und der Kristall durch Übermalen nicht benötigter Bildteile isoliert. Danach wurde die Lage korrigiert und aus dem Blauschwarz ein Goldgelb (welches allerdings noch zu dunkel war) gemacht. Ein Kristall allein kommt der Wahrnehmung zwar nahe, trifft sie aber noch nicht so richtig. Daher erfolgte die räumlich etwas versetzte Überlagerung mit dem gleichen Bild auf einer zweiten, transparenteren Ebene. Dieses "Geräuschbild" wurde anschließend noch einmal merklich aufgehellt (Versuch und Irrtum, dabei immer wieder Anhören bzw. synästhetische Ansehen des Tones) und schließlich auf den dunkelblauen Hintergrund kopiert. Was nicht stimmt - aber auch nicht zu korrigieren war - ist das rot-grün gepunktete Bildrauschen im rechten, unteren Teil. Was auch auffällt: Je höher ein Ton ist, desto optisch (?) heller und "eckiger" erscheint er auch. Gut eine Stunde Arbeit, rund zehn Bildebenen und etwa um die 70-80% Übereinstimmung mit der tatsächlichen Wahrnehmung.


Ton 10 (Klavier): Der Sound erscheint mir - wahrscheinlich aufgrund der Resonanz - wie ein Doppelton von etwas ätherisch-verwaschenem Aussehen hinsichtlich seiner Oberflächenstruktur bei gleichzeitig aber doch eher fest umrissenen Formen. Um diese Wahrnehmung visualisieren zu können, musste ich zunächst einmal geeignetes Rohmaterial finden. Zuerst dachte ich wieder an Kristalle, aber die Versuche mit den betreffenden Bildern schlugen fehl. Dann überlegte ich, wo ich ähnliches vielleicht schon mal gesehen haben könnte - klar doch, Star Wars, die Laserschwerter. Dadurch fiel die Wahl auf das Foto einer Neonröhre - doch auch diese Versuche waren anfangs nicht von Erfolg gekrönt. Schließlich fand ich doch noch geeignetes Rohmaterial als Foto einer Schwarzlicht- (UV-) Röhre. OK, das passte nicht so richtig. Aber nach der Reduktion der Farbpalette schälte sich eine der Realität doch schon recht nahe kommende Oberflächenstruktur heraus: Weniger ist manchmal eben doch mehr. Leider aber sieht man später auf dem fertigen Bild von dieser Struktur kaum noch etwas. Nachdem ich so das Rohmaterial erzeugt hatte, erfolgte durch Spiegelung zuerst eine Lagekorrektur. Danach kam die Standardvorgehensweise: Isolierung, Einfärbung, Verschmelzen, Montage auf einen dafür angefertigten, passenden Hintergrund. Arbeitszeit ohne vergebliche Sucherei rund zwei Stunden, 16 Bildebenen und Übereinstimmung - na ja, seien wir mal großzügig: 70%.

Weitere Visualisierungen

Vor der Pubertät war die graphemische Synästhesie meine stärkste Synästhesieform, dicht gefolgt vom Coloured Hearing. Ich konnte mit den Farben nicht nur rechnen - ich tat es auch gewohnheitsmäßig. Während der Pubertät ließ die Graphemie binnen nur eines Jahres gewaltig nach (heute kann ich sie nicht mehr bewusst nutzen), was mir eine Ehrenrunde auf dem Gymnasium bescherte. Coloured Hearing blieb und zum Ausgleich für das Nachlassen der Graphemie traten ein paar neue, schwächer ausgeprägte Synn-Formen auf - Geschmacks- und Geruchssynästhesie, sexuelle Synästhesie, Formelsehen. Das ist dann auch so geblieben.

Geschmackssynästhesie - Vicious Vampire: Bestimmte Aromen - vor allem dann, wenn sie scharf sind - verursachen mir Geschmackssynästhesien und d. h. ein geometrisches Geschmacksempfinden. Die Schärfe wird in Scoville Heat Units "SHU" gemessen. Pfeffer (50 SHU) oder Tabasco (2140 SHU) sind Schlabberzeug ohne Synn. Interessant wird es für mich ab etwa 80.000 SHU. Vicious Vampire mit rund 800.000 SHU ist schon ganz ordentlich und äußert sich synästhetisch auch recht deutlich. Es ist eins der wenigen mir bekannten Lebensmittel, auf dem Warnhinweise bzg. Augen- und Hautschutz prangen, von Kindern fernhalten etc. und da wird man schon nachdenklich ... Wer Schärfe nicht gewohnt ist, sollte damit aber nicht experimentieren, denn ab ungefähr 180.000 SHU droht Bewusstlosigkeit durch Blutleere im Gehirn - weil der Schärfestoff Capsaicin schlagartig die Durchblutung der Verdauungsorgane ankurbelt. Also vorsichtig rantasten! Das dauert ein paar Jahre; das letzte große Abenteuer unserer Zeit. Mittlerweile bevorzuge ich allerdings Bhut oder Naga Jolokia mit knapp 1,2 Mio. SHU. Mir gibt auch keiner mehr die Hand und wenn ich koche und sage, dass die Speise nur ganz mild gewürzt ist, dann wird gar nicht erst probiert - schon merkwürdig ... Ach ja: Für dieses Bild verwendete ich die Fotos eines Geysirs, einer Mittagssonne und eines Calcit-Kristalls. Dann folgte sehr viel an stundenlanger Kleinarbeit.

Gefühlssynästhesie - Erregung: Sexuelle Erregung zählt lt. Prof. Emrich zur Gefühlssynästhesie. Synästhetisch betrachtet handelt es sich um eine Art von sich langsam verdichtendem Nebel in Grün-Orange-Mischfarben, der das bewusste Denken tunnelartig kanalisiert. Irgendwann hat dieser "Nebel" quasi eine Mauer gegenüber der regulär üblichen Wahrnehmung gebildet, was insofern äußerst angenehm ist, als dass diese "Mauer" einen über das doch eher als trist zu bezeichnende Alltagsdasein weit hinaus hebt. Interessantes Detail am Rande: Diese "Mauer" hat durchaus Ähnlichkeit mit verschiedenen Formen von synästhetischer Schmerzwahrnehmung. Je "massiver" diese Mauer wird, desto mehr verändert sich ihre Farbe in Richtung auf Rot und Blau und desto mehr kristallisieren sich rundliche Formen heraus.

Gefühlssynästhesie - Stimulation: Sexuelle Stimulation beeinflusst den synästhetischen "Nebel". Synästhetisch wahrgenommen sieht das alles einander ähnlich, aber niemals gleich aus. Was anfangs noch eher in den SW-Bereich tendiert, wird zunehmend farbiger in Richtung auf Grün-Orange und auch "wolkiger", d. h. die Feinwahrnehmung weicht nach und nach zugunsten eines allumfassenden, innerlich sichtbaren Gefühls. Interessant dabei ist noch, dass diese Art der Wahrnehmung in Grenzen der Wahrnehmung von Louis Armstrongs Stimme ähnelt. Vielleicht ist ja die Synästhesie der Schlüssel zu so genannten "erotischen Stimmen"?

Gefühlssynästhesie - Orgasmus: Der Orgasmus selbst mag zwar durchaus einige Minuten lang andauern, doch gibt es dabei einen winzigen Moment, in dem die synästhetische Wahrnehmung alles andere vollkommen verdrängt und überlagert. Es ist dann nur noch die reine, isolierte synästhetische Wahrnehmung möglich. Dieser Moment des höchsten Glücksgefühls gleicht der Existenz auf einer Art von "anderen Ebene" und ist durch rundliche, rötliche und bläuliche Gebilde gekennzeichnet - jedes einzelne Mal zwar ähnlich, aber doch immer wieder herrlich anders. Interessantes Detail am Rande: Diese Grafik weist eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem gleichnamigen Bild der Malerin Ute Christiansen auf. Zum Bild selbst: Hier wurden einerseits die "Große Studie" von Wassily Kandinsky und andererseits "Zlerekntergere" von Melanie van Bedaf zugrunde gelegt. Beide Bilder wurden durch diverse Filterungen verfremdet, danach teiltransparent miteinander zu einer neuen Grafik verschmolzen und erneut durch Filterung verfremdet. Bemerkenswert finde ich dabei, dass sowohl Kandinsky wie auch van Bedaf ebenfalls Synnies sind. Gerade bei Kandinsky fragt sich die Kunstwelt heute noch, was er mit seiner "Großen Studie" auszudrücken versuchte. Als ich das Gemälde zum ersten Mal sah, wusste ich es sofort.

Geruchssynästhesie - Haarspray und Parfüm: Es gibt kaum einen Geruch, den ich derart hasse wie von frischem Haarspray oder wie von einzelnen Parfüms. Das wirkt in meiner synästhetischen Wahrnehmung wie ein endloser Schwarm von kleinen, gelben Kügelchen, die auf mich zukommen und mir die Luft zum Atmen rauben. Ich reagiere mitunter darauf auch mit einem leichten Erstickungsanfall und flüchte sofort. Ein Besuch in einer Parfümerie? - Geht gar nicht! Zum Bild selbst: Dieses ist eins der einfachsten Bilder überhaupt. Die Abbildung mehrerer Parfümflaschen wurde einfach mit einem Tropfenfilter überlagert. Dennoch trifft die Visualisierung das tatsächliche Aussehen sehr gut.

Gefühlssynästhesie - Nahtoderfahrung: "Niemand kennt den Tod, es weiß auch keiner, ob er nicht das größte Geschenk für den Menschen ist. Dennoch wird er gefürchtet, als wäre es gewiss, dass er das Schlimmste aller Übel sei. (Sokrates)" Im Juni 1988 hatte ich ein Erlebnis, das mein Leben völlig veränderte. In Folge der Komplikationen durch eine exotische Infektion war ich für kurze Zeit klinisch tot. Ich wurde jedoch zu meinem Leidwesen reanimiert. Die Nahtod-Erfahrung war das mit großem Abstand ekstatischte Erlebnis, das ich je gehabt habe. Man befindet sich in einem anderen, völlig zeitlosen Raum, strebt auf einen Übergang zu und ist nicht allein. Der Tod ist nichts, was man fürchten müsste. Dieses Erlebnis hat meine persönliche Werteskala nachhaltig verändert. Weg vom Materiellen. Ob das etwas mit Synästhesie zu tun hat weiß ich nicht. Jedenfalls gehört das Bild hier her. Das rote Gebilde bin ich selbst. Die hellen Flecke sind andere. Die cremefarben-strukturierte Scheibe ist der Übergang zur anderen Existenzebene, eine Art von hellem, angenehmem Licht.

Graphemische Synästhesie - Formelsehen: Zusammenhängende Zahlen erscheinen mir wie ein fraktales Gebilde. Ich "sehe" quasi die Zusammenhänge in einer Rohdatentabelle mit Wertetupeln als geometrische Form. Zunächst noch eher verschwommen, aber wenn ich es fertig gebracht habe, den Zusammenhang zwischen einzelnen Werten formell zu definieren (wie in der nebenstehenden Grafik), dann wird das Fraktalgebilde vor dem inneren Auge immer deutlicher. So deutlich, dass ich auf einen Blick sagen kann, an welchen Stellen die Formel anwendbar und wo sie es nicht ist. Dieses "Formelsehen" hat mir früher, als ich noch die chemische Forschung leitete, sehr oft geholfen, wenig aussichtsreiche Versuche von vornherein zu unterlassen und auch anderen höchst kompliziert erscheinende Projekte elegant und schnell zu einer befriedigenden Lösung zu bringen (was mir den Spitznamen "Troubleshooter" eingebracht hat). Auf diese Weise sind Zubereitungsrezepturen entstanden, wurden Testverfahren und Maschinenparameter entwickelt. Ich glaube, dass es bei Richard Feynman sehr ähnlich gewesen sein muss.

Graphemische Synästhesie - Buchstaben und Ziffern: In meiner Kindheit wiesen Buchstaben und Ziffern zwar eigentümliche, aber doch irgendwie schimmernde, leuchtende Farben auf. Vielleicht war das einer der Gründe dafür, dass ich mir schon im frühen Alter von fünf Jahren selbst das Lesen und Rechnen beibrachte. Im Rahmen der vier Grundrechenarten konnte ich später sogar mit Farben rechnen. Optionale Eigenschaften wie räumliche Anordnung, Geschlecht o. ä. habe ich den Graphemen zwar nie bewusst zugeordnet, doch kann ich mich erinnern, dass mir manche Buchstaben und Zahlen "sympathischer" als andere waren. Im Alter von 13-14 verblassten die Farben ziemlich stark. Ihre heutige Erscheinungsform ist näherungsweise nebenstehend zu sehen. Näherungsweise deswegen, weil die "echten" Farben noch gewisse Oberflächenstrukturen aufweisen oder weil sie im Spektrum in dieser Form gar nicht vorkommen. Kleine und große Buchstaben unterscheiden sich nur marginal. Bemerkenswert: Zusammengesetzte Zahlen behalten ihre individuellen Ziffernfarben. Bei Wörtern bzw. Begriffen sieht das gänzlich anderes aus. Aber: Miteinander formell korrespondierende Zahlen erhalten eine grafische Struktur. Übrigens: Das "Z" und die "1" sind schwarz und deswegen vor dem schwarzen Hintergrund der Grafik auch nicht sichtbar.

Graphemische Synästhesie - Monate: Bei Begriffen wie den hier dargestellten Monaten gehen die Einzelfarben der Buchstaben verloren und werden durch völlig andere Strukturen ersetzt. Auffällig dabei ist, dass im Falle von Zyklen Anfang und Ende der Begriffsreihe einander ähneln - was auf das zumindest unterbewusste Wahrnehmen als räumliche Struktur hinweist. Aber: Es könnte sich in diesem speziellen Fall genauso gut durchaus auch um erlernte Assoziationen, also um die intermodale Analogie, und nicht um Synästhesie handeln. Dagegen spricht jedoch, dass ich im Scroop-Test ein sauberes 97%-Ergebnis hinlege, während Nichtsynästheten i. d. R. nur 25% schaffen.

Welten ...

Die folgenden Grafiken haben nicht mehr direkt mit der Synästhesie zu tun, sondern nur noch mittelbar. Denn sie sind durch die Synästhesie angestoßen worden und genau deswegen müssen sie auch ihren Platz in dieser Galeriensammlung finden. Biene, Hund, Cetacea, Katze, Mensch, Fledermaus, Eule - unterschiedliche Arten der Wahrnehmung führen zu unterschiedlichen Welten, zu unterschiedlichen Realitäten (und jede davon ist "wahr"), zu unterschiedlichem Verhalten, zu unterschiedlichen Wertungen, zu unterschiedlichen Denkweisen, zu unterschiedlichem Glauben.
     Selbst der kulturelle Hintergrund des Menschen bestimmt nicht nur, worüber er nachdenkt, sondern auch wie er denkt. Aus asiatischer Perspektive wird die Wahrheit gerade im Widerspruch erkennbar. So gesehen trägt jeder Mensch seine eigene Realität in sich. So gesehen ist es sinnlos, von einer absoluten Realität auszugehen, in der Reichtümer finanziell-materieller Art akkumuliert werden. Denn: Existieren die wirklich? Sind das wirklich Werte? Was ist das eigentlich - Realität? Ist mein präkognitives Träumen (das ich mit vielen anderen Synnies teile, wegen dem man mir früher das "Zweite Gesicht" nachsagte und dem ich den Spitznamen "Spökenkieker" zu verdanken habe) das Wahrnehmen anderer, quantenphysikalisch wahrscheinlicher Realitäten? Was ist möglich und was nicht? Und welche Implikationen für unser Verständnis des Universums sowie für unser Verständnis von Kausalität ergeben sich daraus? Bei den folgenden Grafiken handelt es sich um Fotomontagen von phantastischen Landschaften, von "Übergängen" sozusagen ...



     Die Bilder synästhetischer Wahrnehmung laufen in meinem Gehirn naturgegeben und vollkommen normal permanent, quasi auf einer "zweiten Ebene", wie ein Film mit. Das ist nichts "Zusätzliches" oder "Störendes", denn ich bin es niemals anders gewohnt gewesen. Im Gegenteil: Lässt die Synästhesie einmal nach (was durchaus geschehen kann, wenn ich "neben der Spur" bin), dann fehlt da wirklich etwas. Das ist vergleichbar einem Nichtsynästheten, der nicht mehr Hören oder Sehen kann. Die Synn-Wahrnehmung hat für mich einen genauso hohen Wiedererkennungs- und Orientierungswert wie bspw. das Sehen oder Hören beim Nichtsynästheten. Und möglicherweise zeigt die z. T. grob skizzierte Bildentstehung ja auch, wie Synästheten Gegebenheiten verschiedenster Bereiche zu etwas Neuem kombinieren - oder wie "Kreativität" entsteht ...





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