Startseite
Fotokurs
3D-Fotografie
Aquaristik
Synästhesie
Migräne
Bücher
Links
Blog
Impressum








Synästhesie

Synästhesie? Nie gehört! Was soll das denn sein? Der Begriff setzt sich aus zwei altgriechischen Worten zusammen, nämlich "syn" (zusammen) und "aisthesis" (Empfinden). Synästhesie bedeutet also so viel wie "Mitempfindung". Einige mögen das kennen: Quietscht man mit Styropor über eine Glasscheibe oder kratzt man mit den Fingernägeln über Schiefer, dann ist das Resultat eine Gänsehaut. Mit anderen Worten: Hier bewirkt ein Geräusch eine körperliche Reaktion. Doch die Möglichkeiten der Kombination sind noch sehr viel vielfältiger! Insbesondere in den Bereichen Kunst, Architektur, Musik und Marketing wird immer wieder versucht, mit nur einem einzelnen Reiz (dem Stimulus) mehrere Sinne zugleich anzusprechen. Manchmal funktioniert das. Bei Synästheten erfolgt die Mitempfindung automatisch - möglicherweise genetisch bedingt.
     Es existieren Indizien dafür, dass die Synästhesie einst weit verbreitet war. Irgend eine Veränderung hat sich dann ergeben und das Gros der Menschen wurde im Verlauf etwa der letzten zweitausend Jahre zu Nichtsynästheten. Das betraf aber nicht alle. Forschungen ergaben, dass mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit jeder Mensch zunächst einmal als Synästhet geboren wird. D. h. die Sinneskanäle Hören, Sehen, Fühlen, Riechen und Schmecken sind anfangs noch nicht getrennt. Die "Entmischung" der fünf Sinne setzt erst ab etwa dem 4. Lebensmonat ein und ist bis ungefähr zum 24. Lebensmonat abgeschlossen. Dies ist wissenschaftlich belegt.
     Erst danach sind die fünf einzelnen und zuvor vermischten Sinne vorhanden. Aber nicht bei allen Menschen. Eine Minderheit verfügt möglicherweise über einen biologisch-organisch abweichenden Aufbau des Gehirns. Hier bleibt (genetisch bedingt?) eine stärkere Vernetzung und daraus resultierend eine "Sinnesvermischung" bestehen bzw. bildet sich neu. Diese Menschen sind die Synästhetiker oder Synästheten. Sie nehmen ihre Umwelt auf andere Weise wahr: Nonverbaler, farbiger und subtiler - da sie von Natur aus über einen wissenschaftlich belegten "6. Sinn" verfügen. Diese Art von abweichender Wahrnehmung ist nicht "besser" oder "schlechter" als bei Nichtsynästheten, sondern eben einfach nur qualitativ "anders". Synästhesie ist daher auch keine Wahrnehmungsstörung, keine Halluzination oder irgendwie "krankhaft" (was weltweit in etlichen Forschungsgruppen mit bildgebenden Verfahren wie z. B. fMRI hinreichend nachgewiesen worden ist - das Hören eines Tones erregt bspw. messbar die visuellen Hirnareale), sondern genauso urnormal wie grüne Augen oder rote Haare. Bloß seltener.
Katzenschnurren      Unter der Synästhesie versteht man beim Synästheten eine "feste" Vermischung von Sinneskanälen. D. h. ein gehörter Ton kann bspw. Farbe und/oder Form aufweisen, Töne können Geschmack verursachen, Gerüche können Farben haben usw. Da diese Zuordnung im Gegensatz zur "intermodalen Analogie" (einer kulturell geprägten, anerzogenen Assoziation) biologisch bedingt von unveränderlicher Struktur ist, hat sie einen sehr hohen Wiedererkennungswert. So kann bspw. das Aussehen eines Geräusches wesentlich prägnanter als das Aussehen des zugehörigen Lebewesens sein. Gerade so wie ein Fingerabdruck. Diese "Sinnesvermischung" gibt es schon seit Ewigkeiten (erkennbar bspw. an Redewendungen wie "brüllende Hitze", "Klangfarbe", "helle Töne" usw. - es dauert immer einige Zeit, bis etwas Neues Eingang in den normalen Sprachgebrauch findet). Synästhesie ist lediglich selten und daher der Mehrheit kaum bekannt. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit ging man von einem Fall pro Million Menschen aus, doch sind die Zahlen im Verlauf der vergangenen Jahre immer weiter korrigiert worden. Heute wird angenommen, dass etwa vier Prozent aller Menschen Synästheten sind.
     Während die Synästhesie in Dichtung, Kunst und Wissenschaft im Laufe der Zeit immer mal wieder erwähnt worden ist, hat man speziell in Deutschland - wo alles, was "anders" ist, stört - die Synästhesie jahrelang in völliger Ignoranz mit einer (psychischen) Erkrankung gleichgesetzt. Unübertroffen war dabei das braune Gesindel im Dritten Reich, das auch eine meiner Vorfahrinnen (Lieselotte Freuwörth) aufgrund ihres "Andersseins" im KZ ermordete, wie ich über die jüdische Sektion der "International Association Against Psychiatric Assault (IAAPA)" in Tel Aviv in Erfahrung bringen konnte. Und auch heute ist dieses überholt-ignorante, braune Gedankengut leider noch längst nicht ausgestorben.
     Ganz im Gegenteil, es erfährt immer und immer wieder Auftrieb, bspw. hier nachzulesen. Oder aber man blicke auf Machwerke wie "Jürgen Mühlbacher: Rollenmodelle der Führung. Führungskräfte aus der Sicht der Mitarbeiter. (Deutscher Universitäts-Verlag Januar 2003)" bzw. "Christoph Mahr: Vorbereitungskurs auf die Überprüfung zur Erlaubniserteilung der berufsmäßigen Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung begrenzt auf das Gebiet der Psychotherapie (Stand 18.02.2002)", in denen entgegen aller heutigen medizinischen Erkenntnisse zumindest hinsichtlich der Synästhesie nach wie vor ewiggestriges Nazi-Gedankengut unter gutgläubige Mitläufer gebracht wird. Manchmal trägt die menschliche Gesellschaft die Züge eines Rudels des canus lupus. Doch wie sagt schon ein altes Sprichwort: Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens! Eine Volksweisheit bringt es noch besser auf den Punkt: Wer mit der Herde läuft, muss immer Ärschen folgen! Aber lassen wir den Ignoranten ihre Vorurteile. Sie haben sonst nichts, woran sie sich klammern können.

Welche Gruppen von Synästhesien gibt es?

Man differenziert zwischen fünf Gruppen von Synästhesien; das sind die genuine Synästhesie, die Gefühlssynästhesie, die metaphorische Synästhesie, die erworbene Synästhesie und die temporär erworbene drogeninduzierte Synästhesie. Bei der genuinen Synästhesie spricht viel für genetisch bedingte Ursachen, weil diese Form familiär gehäuft auftritt (wobei allerdings auch Generationen übersprungen werden können).
     Genuine (angeborene) Synästhesien sind alle Wahrnehmungen, bei denen ein Stimulus lebenslang unveränderlich eine synästhetische Wahrnehmung auslöst (z. B. wird der Buchstabe "S" grundsätzlich in "senfgelb" oder der mittels Violine gespielte Kammerton A generell als gelbliche Schlangenlinie wahrgenommen).
     Gefühlssynästhesie stellt streng genommen lediglich eine Unterform der genuinen Synästhesie dar. Gefühlssynästhetiker "sehen" auf einem inneren Bildschirm eigene Emotionen, ausgelöst durch einen äußeren Stimulus, bspw. farbig mitlaufen. In gewisser Weise kennt das jeder: Ein Mitmensch, der einem unangenehm ist, erzeugt in einem selbst Abneigung. Manche Menschen haben die Fähigkeit, die "Abneigung" zu sehen. Mitunter wird das in besonderen Fällen als "Aurasehen" bezeichnet, wobei die "Aura" tatsächlich existent ist. Sie entsteht allerdings - wie mit bildgebenden Verfahren nachgewiesen werden konnte - erst als synästhetische Wahrnehmung im Gehirn des Betrachters.
     Metaphorische Synästhesie ist ein kaum erforschtes Phänomen, bei dem bestimmte mentale Zustände (wie z. B. Trance) mit synästhetischen Wahrnehmungen einher gehen. Dabei ist unklar, ob diese Wahrnehmungen von assoziativer oder von imaginierter Natur sind. Es ist durchaus möglich, dass jeder Mensch zu dieser Art der Wahrnehmung befähigt ist. Man beachte lediglich, dass Gefühlssynästhesie und metaphorische Synästhesie - obgleich zwei unterschiedliche Synästhesiegruppen - gerne durcheinander geworfen werden.
     Erworbene Synästhesie ist ein extrem seltener Ausnahmefall, bei dem die synästhetische Wahrnehmung quasi als Ersatz für einen anderweitig verloren gegangenen Wahrnehmungskanal aufgetreten ist. Bekannt geworden sind m. W. bislang lediglich zwei Fälle, nämlich die blinde Tibetologin Sabriye Tenberken und der blinde Fotograf Evgen Bavcar. Beiden Fällen ist gemeinsam, dass hier ein Sinneskanal - nämlich das Augenlicht - noch VOR der Pubertät und der damit verbundenen Umorganisation des Gehirns verschwunden ist.
     Temporär erworbene drogeninduzierte Synästhesie tritt beim Genuss von LSD, Meskalin, Psilocybin u. ä. psychoaktiven Drogen auf. Es handelt sich dabei um einen künstlich hervor gerufenen Zustand, bei dem im Gegensatz zu den natürlich vorkommenden Synästhesien keine "festen" Zuordnungen vorkommen. Unter diesem Gesichtspunkt wird bei der drogeninduzierten und vorüber gehenden Synästhesie im allgemeinen auch nicht von Synästhesie gesprochen, zumal dabei andere Hirnareale als bei der natürlichen Synästhesie beteiligt sein sollen.

Welche Typen von Synästhesien gibt es?

Die Synästhesietypen beschreiben die konkrete Art der vermischten Wahrnehmung und da das von Mensch zu Mensch differenziert, sind auch die Synästhesietypen sehr vielfältig. So können Buchstaben und Ziffern zur Farbwahrnehmung führen (graphemische Synästhesie), Geräusche sowie Töne und Musik farblich erfasst werden (coloured hearing), Schmerzen gesehen werden usw. Die ASA führt eine Liste von wissenschaftlich erfassten Synästhesietypen.

Wodurch entsteht Synästhesie?

Zur Entstehung von Synästhesie existieren aktuell drei verschiedene Hypothesen, nämlich Hyperkonnektivität, kortikale Enthemmung und Hyperbinding.
     Bei der Hyperkonnektivität wird angenommen, dass Hirnareale, die für die Verarbeitung unterschiedlicher Stimuli wie bspw. Tönen und optischer Wahrnehmung zuständig sind, untereinander stärkere Verbindungen aufweisen, dass also bspw. die Hörregion im Gehirn mehr oder weniger direkt oder häufiger mit dem Sehzentrum vernetzt ist. Dieses Modell allerdings vermag metaphorische und Gefühlssynästhesie nicht hinreichend zu erklären.
     Das Modell der kortikalen Enthemmung geht davon aus, dass die Gehirne von Synästheten und Nichtsynästheten zwar strukurell gleich aufgebaut sind, beim Synästheten aber eine abweichende Art der Informationsverarbeitung vorliegt. Aufgrund dieser abweichenden Informationsverarbeitung "überlappen" sich dann die Wahrnehmungen, die beim Nichtsynästheten strikt getrennt sind. Kreativität und ungewöhnliche Problemlösungen, gepaart mit kritischem Individualismus, meist auch Hochbegabung, sind die Folge. Dieses Modell setzt letztlich biochemische Unterschiede im Gehirn voraus - allerdings sind derartige Unterschiede noch nicht gefunden worden und auch solche Unterschiede müssen ja irgendwoher kommen.
     Bei der visuellen Verarbeitung von Stimuli sind verschiedene Sehzentren im Gehirn beteiligt - so bspw. für die Verarbeitung von Farbinformationen, Forminformationen, Richtungsinformationen etc. Sozusagen "abgeglichen" werden diese unterschiedlichen Informationen mit unserem Erfahrungsschatz. Nur dadurch ist es bspw. möglich, das auf einen zufahrende Auto, das man bisher nur von der Seite gesehen hat, auch von vorn als Auto zu erkennen und der Gefahr zu entgehen. Diese Art der Wahrnehmung, nämlich das Zusammensetzen einer ganzheitlichen Information aus mehreren Teilinformationen, wird Binding genannt. Beim Hyperbinding - der Synästhesie - werden auch Hirnareale mit an dem Erkennungs- bzw. Wahrnehmungsprozess beteiligt, die normalerweise mit der unmittelbaren Informationsverarbeitung nichts zu tun hätten (in der EDV würde man von "Multitasking" oder von "Multiprozessorbetrieb" sprechen). Die "Zentrale", in der alles zusammen läuft, wäre das Limbische System, der stammesgeschichtlich älteste Hirnteil. Die Hyperbinding-Hypothese ist insofern interessant, als dass sie weder die beiden anderen Hypothesen ausschließt noch irgendeine Synästhesieform nicht zu erklären vermag und auch im Einklang mit den historischen Indizien sowie mit Befunden aus dem Tierreich steht.

Ist Synästhesie eine evolutionäre Weiterentwicklung oder nicht?

Man kann Synästhesie als Weiterentwicklung des Menschen, als Entwicklungssprung, verstehen. Der US-amerikanische Psychologe Peter Grossenbacher (Naropa University Boulder Cal.) sieht darin einen evolutionären Sprung, eine natürliche Reaktion der species homo sapiens sapiens auf immens zunehmende Umweltreize. Man kann aber auch den Blick auf andere Arten richten und sich fragen, ob es Synästhesie im Tierreich gibt. Oder ob Synästhesie nicht bei jedem Menschen in frühester Kindheit vorkommt und irgendwann verloren geht. In den beiden letztgenannten Fällen wäre es nämlich auch möglich, dass die Synästhesie ein Überbleibsel aus grauer Vorzeit ist. Und so gibt es Forscher, die Synästheten als "kognitive Fossilien" bezeichnen und andere, die darin eine Weiterentwicklung sehen. Die Frage kann nicht beantwortet werden.
     Fakt ist, dass historische Dokumente wie bspw. die hebräische Tora auf ein früheres, Jahrtausende zurück liegendes und häufigeres Auftreten von Synästhesie hinweisen. Fakt ist auch, dass Synästhesie im Tierreich nachgewiesen wurde. Darüber hinaus hat Simon Baron-Cohen mit EEG-Reihenuntersuchungen an der University of Cambridge festgestellt, dass Neugeborene ihre Umwelt ganzheitlich (ergo synästhetisch) wahrnehmen. Die Modularisierung des Gehirns setzt erst ab etwa dem vierten Lebensmonat ein und ist bis ungefähr zum 24. Lebensmonat abgeschlossen. Erst danach sind die fünf einzelnen und zuvor vermischten Sinne (Geruch, Geschmack, Gefühl, Hören, Sehen) vorhanden. Aber nicht bei allen Menschen - die Ausnahmen sind die Synästhetiker.

Was ist strittig im Zusammenhang mit der Synästhesie?

Es gibt etlich Thesen (von denen sich einige auf den Pionier der Synästhesieforschungn, nämlich Richard E. Cytowic, zurückführen lassen), die heute zwar als überholt, nicht notwendigerweise aber auch als widerlegt gelten. So besagt eine These, dass der Frauenanteil unter den Synästheten im Verhältnis 7:1 oder 8:1 sehr viel höher als der Männeranteil ist. Andere Thesen sprechen von einer Häufung der Linkshändigkeit und von gehäuftem Auftreten der Migräne unter den Synästhetikern. Wieder andere Thesen weisen auf Zusammenhänge zwischen Hochbegabung, verstärkter Kreativität und Synästhesie hin. All das ist wissenschaftlich nicht schlüssig belegt.
     Das bedeutet allerdings nicht, dass es nicht doch so sein könnte. Das Problem dabei liegt nämlich im seltenen Auftreten der Synästhesie und der sich daraus immer ergebenden, wechselnden Zusammensetzung von Probandengruppen. Auch spielt hier eine Definitionsfrage mit hinein, nämlich "Was ist schon Synästhesie und was (noch) nicht?" Wenn man die Verarbeitung durch eigentlich nicht dafür vorgesehene Hirnareale zugrunde legt, dann sind auch ein in einer Geruchswelt lebender Hund oder eine in einer Ultraschallwelt lebende Fledermaus durchaus als Synästheten zu bezeichnen und die Tierwelt liefert mit Eulenvögeln, Cetacea, Insekten, Katzen usw. noch sehr viel mehr Beispiele. Übertragen auf den Menschen bedeutet das: Setzt man das, was als Synästhesie bezeichnet wird, auf einer sehr niedrigen Schwelle an, dann wird es später beim Geschlechterverhältnis ebenso wenig wie bei der Händigkeit noch Unterschiede gegenüber dem Gros der Bevölkerung geben. Daraus resultieren dann die strittigen Punkte.

Soll man Synästhesien unterdrücken?

Mehrheiten tendieren dazu, Minderheiten nicht zu akzeptieren und sie im günstigsten Fall lediglich zu tolerieren. Letztlich verlangen sie immer - mitunter stillschweigend - die Anpassung der Minderheit. Die Synästheten stellen eine Minderheit - eine Minderheit, die sich anzupassen hat. Das bedeutet jetzt allerdings keineswegs, dass man Synästhesien unterdrücken sollte, denn so etwas käme dem Versuch gleich, einen Nichtsynästheten des Augenlichts oder des Hörsinns zu berauben. Aber man muss ja auch nicht lauthals "Ich sehe was, was du nur hörst!" hinaus posaunen. Wer eigene Synästhesien unterdrückt, gerät über kurz oder lang unter eine unglaubliche psychische Belastung, u. U. mit den sich daraus ergebenden Folgen.
     Deswegen fordere ich an dieser Stelle auch Nichtsynästheten auf, die lediglich qualitativ andere und völlig natürliche Form der Wahrnehmung zu tolerieren. Das betrifft insbesondere Menschen in Hierarchien. Eine Lehrkraft bspw. muss - so denn die Vier-Prozent-Angabe nicht zu hoch gegriffen ist - davon ausgehen, dass sich in einer jeden Schulklasse zumindest ein Synästhet befindet. Man kann solche Kinder fördern. Namen berühmter Synästheten wie bspw. Cailliau, Da Vinci, Feynman, Hendrix, Klee, Liszt, Nabokov, Nolde, Tesla u. v. a. m. belegen, dass das sinnvoll ist. Oder man verlangt vom besagtem Kind Anpassung bis hin zur Selbstaufgabe, bis hin zum Aussortieren durch das System. Was heute leider eher die Regel darstellt.

Wozu dient die Synästhesieforschung?

Synästhesieforschung ist - da sie nicht auf die Bekämpfung einer Krankheit abzielt - reine Grundlagenforschung. Sie dient dazu, die Funktionsweise des menschlichen Gehirns besser verstehen zu lernen. Durch vergleichende Untersuchungen an Synäsheten- und Nichtsynästhetengehirnen hat man die Möglichkeit, herauszufinden, wie gesunde Gehirne arbeiten. Erst dieses Verständnis gestattet es in einem späteren Schritt, bspw. gezielt Medikamente oder Therapien gegen bestimmte Gehirnerkrankungen entwickeln zu können.

Wie lebt es sich mit Synästhesie?

Ganz normal. Ganz selbstverständlich. Denn Synästhesie ist nichts "Zusätzliches" oder "Aufgedrücktes", sondern eine vollintegrierte Form der Wahrnehmung. Damit gibt es keine Schwierigkeiten. Schwierigkeiten machen nur die Volltrottel Mitmenschen, die unfähig sind, so etwas zu begreifen. Synästhesie ist für Synästheten genauso selbstverständlich wie Sehen oder Hören für Nichtsynästheten: Problematisch wird es immer dann, wenn man auf so einen Wahrnehmungskanal verzichten muss. Genau das aber verlangt eine uninformierte (und uninformiert bleiben wollende?) Mehrheit aber von den synästhetisch begabten Menschen. Dagegen kämpfe ich an. Ich weiß, wie es ist, wenn man seine naturgegebenen Fähigkeiten vor anderen verstecken muss. Die dadurch auftretende Belastung ist ungeheuer. Ich bin häufig gefragt worden, wie es sich mit Synästhesie lebt und habe dazu bereitwillig Dokus bei YONS, arte, N3, RTL Nord, Radio Flora und Hit Radio Antenne gemacht. Das Interview bei Hit Radio Antenne gibt es noch im Web.
Mein Gehirn in Ruhe      Gegen das Versteckspiel aber hilft nur Akzeptanz. Und Akzeptanz setzt Information voraus. Information kann nur von Medizin und Medien kommen. Deswegen bin ich bei arte, N3 und Yons vor die Kamera getreten. Oder bei Radio Flora vor das Mikrofon. Oder habe Interviews in Tages- und Fachzeitungen gegeben, war Vorturner Dozent beim "Zweiten Synästhesie-Weltkongress (2nd International Conference On Synaesthesia ICS 2006, Hanover Medical School, Germany)". Deswegen bin ich seit Jahren Proband in der Synästhesieforschung und betreibe auch anderweitig Öffentlichkeitsarbeit. Mein Gehirn arbeitet eben anders - wo Nichtsynästheten im Zustand absoluter Ruhe bestenfalls zwei kleine, rote Aktivitätspunkte im fMRI zeigen, da geht mein Synästhetengehirn auf "volle Leistung". Na und?!? Wer jetzt an dem Thema interessiert ist, der/die lese hier weiter:

Reaktionen auf Synästhesie
Medizinisches und Historisches
Vor- und Nachteile
Synästhetische Galerien (Achtung, groß - lange Ladezeit!)












Und falls der Gratis-Counter funktioniert: Echte Site-Views seit 8/02

Gratis Counter by GOWEB