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Über Migräne

WARNUNG: Einiges (vielleicht sogar vieles) von dem, was hier gesagt wird, mag Deinen Widerspruch oder sogar Deine Ablehnung hervor rufen. Das ist OK, überlies die betreffenden Passagen einfach. Beachte lediglich, dass es sich hier ausschließlich um meine ganz persönlichen Anmerkungen und Erfahrungen handelt. Einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit leite ich daraus ganz sicher nicht ab!

AN DIE MEDIZINER: Wenn Du ein aufgeschlossener und für Ideen offener Arzt sein solltest (also eher die Ausnahme!), dann überspringe bitte diesen Absatz. Falls Du aber einer der (leider!!!) typischen und nicht aufgeschlossenen (da durch das Studium verdorbenen) Mediziner bist, dann bist Du hier falsch. Du kannst Deine Zeit viel sinnvoller mit Studien und von der Pharmaindustrie bezahlten Metaanalysen verbringen (dabei hat man wenigstens auch nichts mit Patienten zu tun), als hier praktische Erfahrungsberichte zu lesen. Du solltest daher schleunigst diese Seite schließen. Wenn Du aber doch weiterlesen willst, dann mach Dich auf Einiges an bewusst-bissiger Kritik gefasst. Und um Missverständnissen gleich vorzubeugen: Ich habe absolut nichts gegen Ärzte. Aber ich habe eine ganze Menge gegen das "Halbgott-in-Weiß-Gehabe" und gegen die Versuche, mich für dumm verkaufen zu wollen. Meine Erfahrung mit Ärzten - auch wenn sie wirklich helfen wollen - ist nämlich leider: Gehe zu einem Arzt und Du erhältst eine Diagnose. Suche neun weitere Ärzte auf und Du hörst neun weitere Meinungen. Gehe dann noch einmal zu den gleichen Ärzten und Du bist bei zwanzig Ansichten! So, damit wären die Standpunkte wohl geklärt. Jetzt kann's losgehen.

Einleitung:

Soweit ich das zurück verfolgen konnte, bin ich seit meinem vierten Lebensjahr Migräniker, mithin also schon rund ein halbes Jahrhundert lang. Ich habe im Verlauf meines Lebens diesbezüglich leider schon wesentlich mehr unangenehme Erfahrungen sammeln dürfen bzw. müssen, als mir lieb ist - nicht nur mit der Migräne selbst, sondern auch mit der Reaktion anderer Menschen darauf, mit den Ärzten und mit den Medikamenten. Ich weiß daher auch ziemlich genau, wovon ich rede. Mit der Migräne stehe ich nicht allein da; nach diversen Publikationen sind ohne Dunkelziffer ungefähr 10 % der Bevölkerung betroffen - also ein signifikant hoher Anteil. Wen es interessiert, der beachte dazu bloß mal die Migräneliga, das Forum Migräneinformation oder die Migräne-Aura-Foundation. Wenn also meine Ausführungen auf dieser Seite dem einen oder dem anderen einen Denkanstoß geben, der ihm/ ihr hilft, mit der eigenen Migräne besser umgehen zu können, dann habe ich mein Ziel schon erreicht. Denn dann erhöht sich die Lebensqualität des/ der Betroffenen erheblich ... ABER: Ein Patentrezept wirst Du hier vergeblich suchen!
      Ich gehöre aber auch zu den eher seltenen Menschen, die Synästhetiker sind. Die Synästhesie - abgeleitet von den altgriechischen Wörtern "syn" (zusammen) und "aisthesis" (Empfinden) - ist eine psychologisch-neurologische Fähigkeit, bei der sich unwillkürlich Sinnesempfindungen miteinander vermischen. Diese Fähigkeit ist nicht unterdrückbar, weil sie sich im Aufbau des Gehirns begründet. Manche Synästhetiker können Buchstaben fühlen, andere können Töne in bunten Farben sehen. Die Meisten sehen Texte und Zahlen in Farbe. Bei mir sind es die Töne, die ich sehe. Daher haben auch zahllose Musiklehrer absolut vergeblich versucht, mir das Notenlesen beizubringen - dieser schwarze "Fliegendreck" auf liniertem Papier hat nämlich nicht das Geringste mit dem tatsächlichen Aussehen der Geräusche zu tun. Die sind eher stab-, bogen-, zapfen- oder röhrenförmig oder so und farbig (wie beschreibt man etwas, für das es keine Worte gibt - wenn das Geräusch das Bild ist?).
      Synästhesie ist keine Erkrankung, sondern das Resultat einer spezifisch-neuronalen Vernetzung im Gehirn. Von Zingarelli wird sie beschrieben als simultane Wahrnehmung, als eine erweiterte Form der Rezeption. Sie wird bestimmt durch das Phänomen einer Sinnes-Wahrnehmung, die die Miterregung eines anderen Sinnesorganes auslöst. Kernspin-Aufnahmen während der synästhetischen Wahrnehmung zeigen, dass Synästhetiker auch eine aktive Sehrinde haben, wenn sie etwas hören. Synästhesie (engl. früher Crossmodality) ist also keine Einbildung. Wer mehr darüber erfahren will, der gebe in einer (Meta-) Suchmaschine mal "Synästhesie", "Synaesthesia" (engl.), "Synesthesia" (amerik.) oder "Crossmodality" (alt) als Suchbegriffe ein oder der besuche Quarks & Co: Wunder Wahrnehmung.
      Hinsichtlich der Synästhesie befinde ich mich in illustrer Gesellschaft: Dazu zählen/ zählten u. a. der russische Maler Wassily Kandinsky, der Komponist Nikolaj Rimsky-Korsakoff, der Pop-Art Künstler David Hockney, der russische Komponist Alexandr Skrjabin, Jimi Hendrix, Edgar Allan Poe, Hélène Grimaud, der Nobelpreisträger Richard Feynman, der WWW-Miterfinder Robert Cailliau und nicht zuletzt auch "Johnny" Goethe. Die Synästhesie ist eine völlig normale Gabe der Natur, eine Bereicherung des Lebens. So natürlich wie rote Haare und blaue Augen - nur seltener. Schwierigkeiten macht nur die Umwelt, die häufig mit Kopfschütteln und Unverständnis reagiert. Deshalb halten sich Synästhetiker üblicherweise auch im Hintergrund. Ich mache da keine Ausnahme.
      Warum ich mich hier so ausführlich über Synästhesie ausgelassen habe, hat seinen Grund. Synästhesie ist höchstwahrscheinlich eine Funktion des limbischen Systems. Und genau darauf werde ich weiter unten im Zusammenhang mit der Migräne-Aura noch einmal zurückkommen müssen. Übrigens sind mehr als zwei Drittel der Synästheten auch Migräniker. Fangen wir daher jetzt erst einmal mit der Migräne an.

Die Reaktion der "lieben" Mitmenschen

Die Reaktion der "lieben" Mitmenschen auf akute Migräne trieft nach meinen Erfahrungen nur allzu oft vor Unverständnis. Häufig äußert sie sich ausgesprochen hirnlos in Hohn und Spott ("... hat gesoffen/ gesumpft/ Schlaffi/ Hypochonder/ hat 'ne Sextanerblase .../ alles nur Einbildung") und ich muss dann immer an den alten Aristotetles denken. Der vertrat nämlich die Auffassung, dass das Gehirn als Organ nur dazu da sei, um das Blut zu kühlen. Hinsichtlich verdammt vieler Menschen dürfte er damit Recht gehabt haben. Äußerungen von geradezu verletzender Dämlichkeit sind bzgl. der Migräne an der Tagesordnung.
      Man wünscht diesen Personen dann nichts sehnlicher, als dass die selbst mal solche Erfahrungen machen müssen und von einem heftigen Migräneanfall heimgesucht werden. Ich reagiere auf dieses Verhalten genau so, wie die meisten der anderen Migräniker, die ich kennen gelernt habe. Ich verberge die Migräne so gut es geht (Arbeitgeber beispielsweise scheuen sich trotz Arbeitsrecht absolut nicht, wegen Migräne auf eine Neueinstellung zu verzichten oder aber mit Kündigung wegen "betrieblich untragbarer Erkrankung" zu drohen). Ich reagiere - wie viele andere Betroffene auch - mit Einzelgängertum: Wohl wissend, dass so etwas Angriffe extrovertierter Personen geradezu heraus fordert. Ist die Migräne wieder da, dann kann ich auch aggressiv werden, wenn man mich nervt. Weil jedes Geräusch zu laut ist. Weil jedes Licht zu hell ist. Weil jede Geruchsempfindung die Übelkeit verstärkt. Weil ich dann nur noch meine Ruhe haben will. Und irgendwo dazwischen findet man dann irgendwann auch seine eigene "ökologische Nische" und Menschen, die das vielleicht nicht akzeptieren, aber doch zumindest zeitweise versuchen zu tolerieren.

Die "Halbgötter in Weiß"

Wenn Du - wie ich - seit längerer Zeit unter Migräne leidest, dann hast Du i. d. R. auch einen Ärztemarathon hinter Dir. Jeder Arzt, der einer bestimmten Schule anhängt, wird die dort zur Migräne gemachten Aussagen dogmatisch propagieren - ganz egal, wie veraltet oder überholt die sind! Geh zu 10 Ärzten, und Du erhältst 20 Meinungen. Nur: Das die Schulmedizin hier praktisch machtlos ist, wird keiner zugeben. Alles, was man Dir angedeihen lässt, ist eine halbherzige Symptombehandlung (Schmerzmittel!) aufgrund von Spezialistentum; letztlich wirst Du immer zum Versuchskaninchen werden. Das Migränegeschehen ist meiner Meinung nach aber viel zu komplex, um nur von Spezialisten beurteilt werden zu können. Nichts gegen Spezialisten, aber von denen sieht jeder nur die eine Facette seines Fachbereichs. Das ist genau so, als wollte man von einer Farbe auf das ganze Gemälde schließen.
      Damit ist die Ärzteschaft letztlich machtlos und empfiehlt Dir "Vorsorge". Bloß, was das "Wie" betrifft, da windet man sich dann wieder und verfällt auf Allgemeinplätze. Und wenn den Ärzten gar nichts mehr einfällt, dann ist die Migräne psychosomatisch oder erblich bedingt - nur hilft Dir diese Aussage in keinster Weise. Vielleicht probiert man es noch mit Akupunktur, bevor aufgegeben wird (nichts gegen Akupunktur - manchem mag es helfen, wenn es wirklich professionell gemacht wird und nicht nur nach dem Schnellkursus-Schema, aber bei mir hat's überhaupt nichts gebracht; außer Verdienst für den Arzt ...). Und das Aufgeben der Schulmedizin wird womöglich sogar noch mit der Mär vom "typus migraenicus" begründet - wobei man geflissentlich ignoriert, dass das Migränegeschehen eine durchaus messbare organische Störung ist - Stichwort SD (spreading depolarization)! Spätestens an diesem Punkt beginnst Du, Dich selbst intensiver mit der Migräne auseinanderzusetzen, weil Du das Vertrauen in die Schulmedizin verloren hast.
      Nur mal so am Rande: In den für die Allgemeineit gesperrten Ärzteforen im Internet (frage mich lieber keiner, wie man da reinkommt!) wird auch nicht anders diskutiert als im Forum der Migräneliga - nur mit dem Unterschied, dass die Ausdrucksweise dort viel wissenschaftlicher ist. Und wenn dann obendrein Ärzte in einem Business-Forum wie bspw. Xing Otto Normalverbraucher um Tipps und Rezepte bitten - na ja ... Kein weiterer Kommentar. Du gehst also nur noch zum Arzt, wenn es unbedingt nötig ist. Und wenn der Dir jetzt Paracetamol oder Ibuprofen empfiehlt, dann kannst Du den Halbgott in Weiß gleich abhaken. Das Zeug hast Du Dir nämlich schon längst selbst besorgt und es hat nicht geholfen. Wegen so einer Empfehlung hättest Du nicht am munteren Mikroben-Austausch im Wartezimmer teilnehmen und dafür auch noch Eintritt bezahlen müssen! (Falls das jetzt ein Arzt gelesen hat: Du bist gewarnt worden - und komm mir bitte nicht mit der Krankenkassen-Ausrede, denn die meisten Erfahrungen damit habe ich gemacht, bevor unser Gesundheitssystem zur Zweiklassen-Medizin mutiert ist!).

Die Mär vom "typus migraenicus"

In der (psychologisch gefärbten) Fachliteratur wird der typus migraenicus als "ordentlich, zuverlässig, pünktlich, gewissenhaft, fleißig, hilfsbereit, pflichtbewusst und ohne die Neigung, sich in den Vordergrund zu stellen" charakterisiert. Man schließt dann aus diesen Verhaltensmustern auf unbewusste Ängste, welche zu psychischem Stress führen und dadurch die Migräne auslösen. Ja, man geht sogar noch weiter und sieht eine "soziale Vererbung von Verhaltensmustern".
      In meinen Augen ist das völliger Quatsch!!! Begründung: Jeder Migräniker weiß, dass er mit seiner Beeinträchtigung zu Fehlern neigt und den lieben Mitmenschen (s. o.) dadurch im günstigsten Falle Anlass zu herber Kritik liefert. Folglich versucht jeder Betroffene, seine Aufgaben und Pflichten so korrekt und dauerhaft wie möglich zu erfüllen, damit man ihn in Ruhe lässt! Nur dann kann man nämlich auch leichter mit der Migräne fertig werden. Wer dennoch den typus migraenicus als Ursache nennt, der verwechselt folglich Ursache und Wirkung!

Der Anfallsablauf

Natürlich ist mir völlig klar, dass ein Migräneanfall nicht immer nach Schema "F" verläuft. Ich habe schon zur Genüge völlig schmerzfreie Anfälle gehabt, lediglich charakterisiert durch Aura oder Aura und Erbrechen. Die nachfolgende Schilderung entspricht daher eher dem "idealisierten" Verlauf meiner typischen Anfallsform (der sg. klassischen Migräne) - nicht jedoch der häufigsten Anfallsform, denn zum Glück fehlt es oft an den letzten Phasen. Ich stelle den Ablauf bewusst tabellarisch dar, damit Platz für meine Anmerkungen ist. Ich bitte den Leser, diese Anmerkungen "im Hinterkopf" zu behalten - denn ich werde weiter unten noch darauf zurück kommen.

Phase des Anfallsverlaufs Anmerkungen (meine unmaßgeblichen Überlegungen dazu ...)
  • ? ? ?

Die drei Fragezeichen stehen für den ursprünglichen Auslösemechanismus, der die ganze Lawine dann später ins Rollen bringt - möglicherweise ein Wetterumschwung, das Einatmen oder der sonstwie geartete Kontakt mit einer Noxe, eine Druckschwankung wie beispielsweise bei einer Flugreise, übermäßiger Stress usw. Synästhetisch gesehen verblassen die Farben in Richtung auf grau-braun und schmutzig-weiß und die Formen werden irgendwie kantiger.

  • Heißhunger (1-2d vorher), meist auf Süßes und auf Fleisch

Versuch's stattdessen mal mit Obst oder Gemüse und mit Milchprodukten, insbesondere mit Joghurt. Süßigkeiten und Fleisch sind nicht nur Kalorien und Proteine, sondern auch Säurebildner. Und wo wir schon mal bei Kalorien und Proteinen sind - könnte es nicht sein, dass der Mensch aufgrund von irgend einem entwicklungsgeschichtlichen Ur-Mechanismus versucht, sich erst mal durch Nahrungsaufnahme für das zu wappnen, was da aufgrund des auslösenden Mechanismus vielleicht noch zu erwarten ist? Und an den Synästhetiker gerichtet: Was vorher eine glatte, klare Form war, wird jetzt irgendwie "pickelig" - achte mal darauf!

  • Diurese und eine bleierne Müdigkeit (1/2-1d vorher)

Wenn Du zu viele Säurebildner aufgenommen hast, dann muss der Säureüberschuss auch wieder aus dem Körper raus, sonst gerät der Säure-Basen-Haushalt aus den Fugen. Allein schon dadurch, dass die Säuren (wie z. B. Harnsäure) über das Blut zu den Nieren transportiert werden, dürfte sich der Blut-pH-Wert geringfügig verändern. Das hat aufgrund von elementaren physikalisch-chemischen Gesetzmäßigkeiten (Massenwirkungsgesetz und so ...) aber zwangsläufig Auswirkungen auf die die Löslichkeit der anderen Stoffe im Blut, auch auf die Löslichkeit der Botenstoffe, von denen z. B. Serotonin einer ist. Erst mal jedenfalls haben die Nieren was zu tun. Die Säure muss raus. Dabei verliert der Körper Flüssigkeit - und die muss nachgeführt werden (Tipp: Versuch's mal mit klarem Wasser statt mit gezuckerten Getränken!). Durch den Flüssigkeitsverlust erfolgt aber leider auch eine Entmineralisierung. Das bedeutet: Die Pufferwirkung des Blutes kann nachlassen. Dadurch wird der Säure-Basen-Haushalt empfindlicher gegenüber Störungen und Schwankungen - und das wiederum beeinflusst die Löslichkeit von Botenstoffen (s. o.).

  • Blitze im Gesichtsfeld und Aura/ Flimmerskotom
    Skotom

Jetzt geht's richtig los - erst mal kleine Blitze und Lichtpunkte. Binnen 10 bis 15 Minuten wird dann das normalerweise nierenförmige, sich bewegende Flimmerskotom mit Fortifikationsmuster daraus - gleißend und blendend. Nach spätestens einer Stunde ist der Spuk vorbei - aber dann kommt was anderes, falls das nicht sogar schon angefangen hat ... Durch Computersimulation konnte ich feststellen, dass die Bildwechselfrequenz des Flimmerskotoms bei ungefähr 30 bis 60 Hz liegt - dies ist in etwa der Wert, bei dem das Auge Einzelbilder nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Und das Bild flimmert. Ob es da möglicherweise einen Zusammenhang mit dem Fakt gibt, dass die Arbeit an einem flimmernden Bildschirm Kopfschmerzen hervorruft? Das aber nur am Rande. Und für die Synästhetiker unter Euch: Die Wahrnehmung verändert sich - grell, blendend, zackig, unangenehm, übersteuert. Das bleibt auch erst mal so!

  • Der halbseitige, bohrend-drückende Kopfschmerz baut sich auf bzw. verstärkt sich, wird zum Hämmern.

Kein Kommentar - das kennen wir ja!

  • Es kommt zur Hypersensibilität.

Alles ist zu laut, zu grell, vom Geruch wird einem übel - und man will sich nur noch irgendwo verkriechen und seine Ruhe haben ... Während dessen hält der Schmerz zu allem Überfluss auch noch unvermindert an!

  • Schwindel, Übelkeit und Erbrechen sowie Makropsie bzw. Mosaiksehen gesellen sich dazu. Vielleicht bist Du auch leicht verwirrt und hast Wortfindungsprobleme ...
    Makropsie

Es wird immer schlimmer ... Spätestens jetzt benötigst Du wirklich (ärztliche oder medikamentöse) Hilfe! Und wenn Dir das auf der Arbeitsstelle passiert, dann stößt Du im günstigsten Fall auf Unverständnis - und hast auch meistens noch den Horror des Nachhausefahrens vor Dir, ohne richtig sehen zu können.

  • Wenn Du ganz viel Glück hast, dann bist Du rechtzeitig zuhause im Bett und eine Ohnmacht erlöst Dich von dem Horror! Ansonsten geht's noch Stunden oder Tage so weiter - im Extremfalle bis Du Dich mit Suizidabsichten trägst.

... und wenn Du Pech hast, dann stehen ein Haufen Gaffer um Dich rum und gucken zu, wie Du anfängst, Dich wieder zu bewegen!

  • Und wenn Du es (mal wieder!) überstanden hast, dann bist Du entweder völlig fertig oder geradezu euphorisch! Leider ist dieser Zustand nicht von Dauer, denn der nächste Anfall kommt bestimmt!

Könnte hier eine eventuelle Produktion von Endorphinen (den körpereigenen Opiaten) eine Rolle spielen?

     Natürlich verläuft nicht jeder Anfall in der o. a. extremen Form. Mit Migräne bis hin zur Bewusstlosigkeit habe ich glücklicherweise nur noch ein- bis zweimal im Jahr zu kämpfen. Früher war das ganz anders - da war das zehnmal mehr! Worauf ich diese Reduzierung zurück führe? Ganz einfach: Auf Vorsorge, auf Prophylaxe!


Vorsorge

Um gleich jeglichen Missverständnissen vorzubeugen - mit der Vorsorge kannst Du die Migräne nicht "abstellen". Aber Du kannst vielleicht:
- Die Anfallshäufigkeit reduzieren und
- die Anfallsstärke vermindern.
     Einen Versuch ist es allemal wert, denn es besteht die berechtigte Hoffnung, dass Du davon profitierst!
      Zwei Vorsorgetipps habe ich bereits weiter oben gegeben: Klares Wasser als Getränk (in Mengen!) und den Verzicht auf Säurebildner. Im letztgenannten Fall könnte es sich u. U. lohnen, Zucker soweit wie möglich durch Honig zu ersetzen - denn Honig süßt dreißig mal stärker als Zucker. Aber da wirst Du verschiedene Sorten ausprobieren müssen, denn Honig ist nicht gleich Honig. Es gibt auch Sorten, die Abbauprodukte wie z. B. Ameisensäure enthalten - und die Abbauprodukte sind vielleicht Anfallsauslöser (ich selbst habe die besten Erfahrungen mit Honig vom örtlichen Imker gemacht - vielleicht, weil das dem Körper noch am vertrautesten ist)! Es ist daher zunächt mal wichtig, rauszukriegen, was die Migräne auslöst. Dazu dient das Migränetagebuch.
      Migränetagebücher gibt es als Gratis-Broschüren wie Sand am Meer von Seiten der Pharmaindustrie. Meine Erfahrungen damit sind jedoch durchweg sehr schlecht, denn diese Broschüren vermitteln ausnahmslos den Eindruck, als wenn hier etwas von nicht Betroffenen als Trockenübung am Schreibtisch entstanden ist. Sinnvoller ist es, wenn Du Dir eine ganz normale DIN-A5-Kladde zulegst. Vorab ist es zweckmäßig, die Stärke des Migräneanfalls zu kategorisieren. Ich tat das in Anlehnung an den beim Kurzwellenfernempfang (DXing) gebräuchlichen SINPO-Code und unterscheide damit die Anfallsstärken von 0 bis 5 (weniger Kategorien erlauben zuwenig detaillierte Rückschlüsse auf die Auslöser und bei mehr Kategorien verzettelt man sich). Hinsichtlich der Anfallsstärke habe ich folgende Skala verwendet:
0 - völlige Schmerzfreiheit
1 - kurzer, vernachlässigbarer Schmerzanflug
2 - permanenter, aber erträglicher und daher verdrängbarer Schmerz
3 - permanenter, heftiger und nicht verdrängbarer Schmerz, dazu Schwindel und Unwohlsein
4 - permanenter, sehr heftiger Schmerz mit Schwindel, Übelkeit und Aura
5 - extrem starker Schmerz mit ständigem Erbrechen, Schwindel, Aura, Hypersensitivität, ggf. Bewusstlosigkeit (erfordert normalerweise unmittelbare ärztliche Behandlung)
     Reserviere nun in der Kladde für jeden Tag zwei Seiten (eine Vorder- und eine Rückseite). Ganz oben auf die Vorderseite kommen das Datum und daneben (ganz wichtig!) die Stärke des Migräneanfalls hin. Auf der ersten Seite notierst Du, was Du gegessen und getrunken hast. Gehe dabei im eigenen Interesse sorgfältig vor - schreib' also nicht nur "Schokolade", sondern auch, um welche Sorte es sich handelt - da gibt's nämlich große Unterschiede! Wirf dazu auch mal einen Blick auf die Inhaltsstoffangaben der Lebensmittelverpackungen - da sind die Chemikalien angegeben, die Du zu Dir genommen hast. Und bitte auch notieren: Wieviel von welchen Medikamenten Du eingenommen hast (damit "erschlägst" Du einen u. U. medikamenteninduzierten Kopfschmerz). Sammle die Beipackzettel und leg sie in die Kladde! Auf der ersten Hälfte der zweiten Seite vermerkst Du besondere Vorkommnisse - wenn welche da waren (Reisen, außergewöhnlicher Stress, Ozon-Alarm, stundenlanger Kaufrausch und Konsumterror, Arbeiten mit Bauchemikalien wie z. B. mit Lösemitteln oder mit Farben, körperliche Anstrengung, vorwiegender Aufenthalt im Freien oder in der Wohnung, ob Du erkältet bist, Aufenthalt in einem verqualmten Raum usw.).
      In der zweiten Hälfte der zweiten Seite lässt Du Dich über das Wetter aus, um einer eventuellen Wetterfühligkeit auf die Spur zu kommen. Hier ist es für die spätere Auswertung überaus nützlich, wenn Du versuchst, über regionale Tageszeitungen, Videotext oder über das Internet an lokale (!) Wetterdaten zu kommen: Durchschnittstemperatur, Tiefsttemperatur, Höchsttemperatur, Sonnenscheindauer, Niederschlagsmenge, Sferic-Anzahl, Luftdruck u. ä. Hast Du solche Daten nicht zur Verfügung, dann beschreib das Wetter einfach mit Deinen eigenen Worten (was allerdings die spätere Auswertung deutlich erschweren wird). Das Migränetagebuch führst Du nun konsequent jeden Tag und mindestens so lange, bis Du einmal den kompletten Bereich der Anfallsstärken von 0 bis 5 durchlaufen hast. Erst dann hast Du nämlich genügend Daten, um eine Auswertung hinsichtlich der wahrscheinlichen Auslöser vornehmen zu können.
Aura      Zur Auswertung: Die Auswertung des Migräne-Tagebuchs ist eine sehr langwierige und extrem arbeitsintensive Angelegenheit. Sie erfordert mit Sicherheit ein Mehrfaches der Zeit, die Du für das Tagebuch selbst aufgewandt hast. Ich sage das jetzt nur vorab, damit Du den Mut nicht verlierst. Nehmen wir erst mal die Lebensmittel bzw. ihre Inhaltsstoffe. Such Dir alle die Anfälle raus, die von gleicher Stärke sind. Welche Lebensmittel (oder Medikamente) gibt es da als Gemeinsamkeit? Keine? OK, geh einen Tag zurück. Was hast Du da zu Dir genommen? Noch immer keine Übereinstimmungen? Dann geh weiter zurück, maximal eine Woche. Ich garantiere Dir: Du wirst fündig werden! Meist wschon in den drei Tagen vor dem Anfall. Das Ganze ziehst Du einzeln für jede Anfallsstärke durch. Falls die Fälle mit 0 oder 5 nur einmal vertreten sein sollten, dann geh den umgekehrten Weg: Was hast Du bei 1 bis 4 nicht zu Dir genommen?
      Beim Wetter kannst Du ähnlich vorgehen. Wesentlich einfacher ist es dabei allerdings, wenn Du auf Wetterdaten zurückgreifen kannst. Zeichne ein Diagramm: Sonnenscheindauer (auf der X-Achse) gegen die Anfallsstärke (auf der Y-Achse). Bringt nichts? Versuch's mit der Niederschlagsmenge gegen die Anfallsstärke usw. Wenn Du keine Übereinstimmungen findest, dann geh wieder tageweise zurück (s. o.). Wenn das auch nicht hinhaut, dann verknüpfe die Wetterdaten miteinander. Berechne den Quotienten aus Höchsttemperatur und Sonnenscheindauer. Vergleiche diesen Wert mit der Anfallsstärke. Beachte auch Sferics. Und auch hier musst Du vermutlich wieder tageweise zurück gehen, weil der Auslöser vor dem eigentlichen Anfall liegt. Solltest Du wetterfühlig sein, dann wirst Du mit diesem Verfahren ziemlich sicher rausbekommen, welche Wetterlagen für Dich persönlich kritisch sind (bei mir selbst ist es das Verhältnis "Höchsttemperatur (ºC) : Sonnenscheindauer (h) >= 4 : 1" - ein Verhältnis, das typisch für Wetterwechsel ist; aber das Verhältnis ist garantiert individuell sehr unterschiedlich!). Wenn Du über eine Regressionsanalyse-Software verfügst, dann lässt sich die ganze Auswerterei der Wetterdaten noch vereinfachen - Du brauchst keine Diagramme mehr zu zeichnen, denn der Korrelationskoeffizient verrät Dir, ob da ein Zusammenhang vorliegt (der Korrelationskoeffizient |r| >= 0,7 belegt den Zusammenhang).
      Bestimmten Nahrungsmitteln als Auslöser kann man (meistens) ausweichen. Meine ganz persönlichen und per Migräne-Tagebuch ermittelten Auslöser sind u. a.:
- Flavonoid-Farbstoffe (z. B. enthalten in Rotwein, Rosewein, rotem Traubensaft, Zartbitter-Schokolade, Lakritz - solche Naturfarbstoffe behindern den Abbau bestimmter, giftiger Phenol-Derivate).
- Cyanophenolderivate (z. B. enthalten in rote Beete und dessen Salaten sowie im Geruch von Blaualgen - die Cyanophenolderivate an sich sind zwar schon giftig, aber nur in normalerweise unkritischen Mengen in der Nahrung enthalten - und die o. a. Farbstoffe behindern ihren Abbau).
- Ein Zuviel an Kohlenhydraten (z. B. enthalten in Kartoffeln, Pommes, Süßigkeiten, Nusscremes, Speiseeis, Nougatschokolade ...).
      Worauf ich damit hinauswill ist Folgendes: Könnte es sich bei Migräne nicht um eine "etwas überspitzte" Reaktion des Körpers auf nicht bzw. auf wenig verträgliche Stoffe handeln? Lebensmittelinhaltsstoffe - ganz egal, ob "natürlichen" oder ob "chemischen" Ursprungs - sind nun mal nicht alle immer gesund (auch wenn das einige Öko-Freaks hinsichtlich der Naturstoffe abstreiten werden - aber letztlich ist ein Stoffmolekül immer ein Stoffmolekül - egal, wo es herkommt). Es muss ja auch nicht gleich immer die vielzitierte echte Nahrungsmittelallergie sein, die sich im Übrigen recht leicht nachweisen lässt (Blutuntersuchung auf Histamin!) und die in der Migräne-spezifischen Fachliteratur eher selten vorkommt. Könnte die Migräne daher nicht vielmehr so etwas wie ein vom Körper "falsch verstandenes" Alarmsignal sein? Dann besteht die beste Vorsorge darin, diese Auslöser zu finden und so gut es geht zu vermeiden! Ich habe das erfolgreich durchexerziert - meine Migräne bin ich zwar nicht losgeworden, aber die Anfallshäufigkeit und -stärke ließen sich deutlich reduzieren.
      Beim Wetter geht das mit dem Ausweichen leider nicht. Da hilft nur das richtige Einteilen der Medikamente, denn durch so induzierte Anfälle "muss man durch". Im Verlauf der Migränetagebuch-Führung dürftest Du lernen, Migräne von "einfachen" Kopfschmerzen zu unterscheiden. "Einfache Kopfschmerzen" kannst Du i. d. R. auch "einfach" behandeln - da benötigst Du keine speziellen Migränemedikamente. Und bei Anfällen bis einschließlich der Stärke 3 kommt man eigentlich auch ganz ordentlich mit Acetylsalicylsäure (max. aber nur 1 Gramm pro Tag - z. B. in Form von "Aspirin Migräne"; andernfalls kann Azidose die Folge sein!) oder mit Paracetamol zurecht (damit aber vorsichtig - zuviel kann zum Auslöser werden; niemals mehr als 1 Gramm pro 8 Stunden!).
      Das beseitigt den Schmerz zwar nicht, lässt einen aber damit einigermaßen zurecht kommen. Damit "spart" man die Migränemittel für die echten "Härtefälle" auf: Man teilt sie ein. Aufgrund der Einteilung besteht dann auch keine Gefahr mehr bzgl. einer Medikamentenabhängigkeit oder bzgl. eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes. Bei Migräne, die durch Wetterfühligkeit hervorgerufen wird, besteht also die grundsätzliche Möglichkeit, sich rechtzeitig medikamentös zu wappnen.
      Das hört sich jetzt gut an - eigentlich zu gut! Und einen Pferdefuß gibt es auch tatsächlich: Woher weiß man vorher, wie stark der Anfall werden wird? Man kann es gar nicht wissen! Es ist daher überaus verlockend, entsprechend den Beipackzettel-Empfehlungen bereits beim geringsten Schmerzanflug Migränemittel zu nehmen - und es ist auch grundfalsch!!! Abwarten und Aushalten ist angesagt. Und erst dann, wenn die "08/15"-Mittel wirkungslos geblieben sind und wenn es gar nicht mehr anders geht, dann kommt das Migränemittel. Nicht vorher!

Medikamente und Behandlungen

Das Thema "Versuchskaninchen" habe ich bei meinen Ausführungen über die "Halbgötter in Weiß" ja schon kurz angerissen. Bei meiner ganz persönlichen "Migräne-Karriere" hat man mir da so einiges an Medikamenten und Behandlungen angedeihen lassen. Und einiges habe ich auch selbst ausprobiert, weil es den Ärzten zu suspekt erschien. Zu einigen Mitteln aus beiden Kategorien komme ich jetzt:
      Pestwurz: Wird in Form von Petadolex-Kapseln gehandelt. Morgens und abends je zwei Kapseln über 3 Monate lang hatte bei mir einen sehr positiven Effekt - mit den Migräneanfällen verhält es sich wie bei einem Radio, das man leiser gestellt hat. An Nebenwirkungen kam es immer wieder zu einem eklig schmeckenden Aufstoßen, was ich aber gerne in Kauf nehme. Größter Nachteil: Das Zeug gibt's nicht verschrieben und es ist sehr teuer. Diese Art der Behandlung zahlt man zumeist also selbst und die geht mächtig ins Geld. Fällt für mich eindeutig in die Kategorie "Vorbeugung", denn beim akuten Anfall ist es absolut wirkungslos.
      Autogenes Training und/ oder Progressive Muskelrelaxation: Ist die fast perfekte Vorbeugung, wenn Du es gut beherrscht - und bis dahin ist es ein (sehr) langer Weg. Hier gilt mehr als irgendwo anders der alte Satz "Übung macht den Meister". Nachteil: Was glaubst Du, wieviel Verständnis die "lieben Mitmenschen" (vgl. oben) dafür aufbringen? Das Autogene Training - kurz AT - ist ein Verfahren der Autosuggestion, der Selbsthypnose. Falls Dir das nichts sagt, dann findest Du HIER eine PDF-Kurzanleitung. Es empfiehlt sich aber, AT grundsätzlich im Rahmen eines Kurses (bspw. über Krankenkasse oder VHS) zu erlernen. Die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson ist ein Entspannungsverfahren, das sich auch im Büro oder im Auto auf einem Rastplatz anwenden lässt. HIER findest Du eine PDF-Kurzanleitung mit näheren Infos. Beide Verfahren dienen der Stressverminderung und sind daher besonders bei periodisch auftretender Migräne (z. B. bei Wochenendmigräne) sinnvoll.
u      Hypericin/ Hyperforin: Ist der Wirkstoff im Johanniskraut, ein MAO-Hemmer (Serotonin - dessen Mangel ja an der Migräne maßgeblich mit beteiligt ist - wird vom Enzym Monoaminooxidase "MAO" abgebaut). Johanniskraut funktioniert hinsichtlich seines Effektes genau so wie Pestwurz, ist aber wesentlich preiswerter. Wenn Du es selbst mal ausprobieren willst, dann kaufe eine Flasche Doppelkorn (der Alkoholanteil muss für eine optimale Auslaugung zwischen 38 und 48 Prozent liegen - darunter geht es nicht und darüber leiden die Wirkstoffe). Verteile den Inhalt auf 3 bis 4 Braunglasflaschen. Insgesamt setzt Du jetzt etwa 16-20 TL Johanniskraut zu. Flaschen verschließen, schütteln, eine Woche stehen lassen (besser zwei Wochen). Hin und wieder mal etwas bewegen. Dann das Ganze über ein Kaffeefilter abfiltern - Du hast jetzt eine blutrote Flüssigkeit, die einfach grässlich schmeckt. Davon trinkst Du zwei Wochen lang jeden Abend ein Schnapsglas voll (Du schläfst dann auch besser). Dann zwei Wochen Pause. Dann das Ganze wiederholen. Nachteile: Eignet sich nur für die dunkle Jahreszeit, denn Du wirst ziemlich empfindlich gegen Sonnenlicht werden - und es macht Kontrazeptiva (die "Pille") unwirksam, weil es das Expimieren der Enzyme, die die "Pillenwirkstoffe" abbauen, verstärkt ... Käufliche Johanniskraut-Fertigpräparate enthalten meist kein Hyperforin und wirken daher gegenüber dem echten Pflanzenmaterial sehr viel schwächer oder gar nicht, weil sich beide Komponenten synergetisch ergänzen. Der Effekt von echtem Johanniskraut ist ähnlich wie bei Pestwurz (Petadolex) - s. o.; nur preiswerter. Gehört gleichfalls in die Kategorie "Vorbeugung".
      Capsaicin/ Dihydrocapsaicin (Chili): Capsaicin und Dihydrocapsaicin (sowie noch drei weitere Alkaloide und massenhaft Vitamin B) sind die Wirkstoffe im Chili. Die Capsaicin-Alkaloide sind die Schärfestoffe. Man mag es kaum glauben, aber Chilis sind eine sehr gute Prophylaxe bei Migräne. Ihre Wirkung ist - sofern man darauf anspricht - durchaus dem Johanniskraut und der Pestwurz vergleichbar. Die tägliche Aufnahme von zwei frischen, sehr scharfen Schoten oder die häufige, tägliche Aufnahme von sehr scharfem Chili-Gewürz reduziert die Häufigkeit und Stärke von Migräneanfällen. Allerdings kann es in der ersten Zeit (rund vier Wochen lang) geschehen, dass die Migräne zunächst einmal zulegt, bevor sie danach nachhaltig abflaut.
      Ernährungsumstellung: Bringt sehr viel, wenn Du es schaffst, ernährungsbedingte Auslöser zu vermeiden. Du musst gar nicht mal auf Fleisch und Zucker verzichten - nur eben weniger vom Zucker und mehr vom Fleisch verkonsumieren. Die Ernährungsumstellung betrachte ich auch als Vorbeugung - und zwar als die Wichtigste überhaupt. Mir ist dabei durchaus bewusst, dass Vegetarier und Veganer bei dieser Empfehlung 'ne Krise kriegen!
      Ergotamin-Derivate: Dabei handelt es sich - chemisch gesehen - um einen Verwandten des LSDs. Solche Stoffe sind einerseits schon fast in homöopathischen Dosierungen wirksam und aufgrund der Nebenwirkungen auch nicht unbedingt zu empfehlen. Aber im allgemeinen helfen sie. Sie sollten daher der (seltenen) Akutbehandlung stärkster Anfälle vorbehalten bleiben. Zur Migränebehandlung wurde etwa 80 Jahre lang Ergotamintartrat eingesetzt, was bei ca. 50-60 % der behandelten Patienten eine ausreichend gute Wirkung (frühzeitige Einnahme voraus gesetzt) hatte. Der das Ergotamin produzierende und hochgiftige Mutterkorn-Pilz hingegen war schon sehr viel früher bekannt und wurde nachweislich volksmedizisch verwendet. Seit dem 1.7.2003 gilt Ergotamintartrat als nicht mehr verkehrsfähig (Ausnahme: Novartis Ergo-Kranit Akut 2mg, wobei der Handel mit dieser Ausnahme mit einer Preiserhöhung um den Faktor 6 einher ging ...), da Triptane als Ersatz dienen. Begründung: Die Nebenwirkungen der Ergotamine. Die hat man nach 80-jähriger Anwendung urplötzlich entdeckt (obgleich es entsprechende Berichte bereits aus dem Jahr 857 n. Chr. aus Xanten gibt - aber das interessiert ja keinen Pharmakologen) und rein zufällig kann die "notleidende" Pharmaindustrie mit der Triptanalternative ja einen etwa dreißig mal größeren Gewinn einfahren ... (honny soit qui mal y pense). Die Maximaldosierung beträgt 10 mg Ergotamintartrat pro Woche bzw. 6 mg pro Tag. Wenn aber 2-3 mg nicht helfen, dann bringt erfahrungsgemäß eine Erhöhung der Dosierung auch nichts mehr. Die Überschreitung führt zur Vergiftung ("Ergotismus") und kann sehr schnell tödlich verlaufen - schließlich handelt es sich ja um ein Alkaloid von Secale cornutum (Mutterkorn). Und ab ca. 3-5 mg/Woche besteht ein enormes Risiko des medikamenteninduzierten Kopfschmerzes (Erfahrungswert) sowie auch der Sucht.
     Nun gibt es aber Leute, die auf Ergotamine besser als auf Triptane ansprechen. Für die gilt: Cafergot (1mg Ergotamintartrat + 100mg Coffein, von Novartis/ Sandoz) gibt's rezeptfrei unter www.edrugnet.com (Online-Apotheke, Packungsgrößen 60, 100 und 120 Tabletten). Das Mittel kommt per Luftfracht in einem neutralen Brief aus Thailand (Lieferzeit etwa 3 Wochen, wobei edrugnet einen permanent per Mail auf dem Laufenden bzgl. des Lieferstatus hält). Ich hab´s ausprobiert - ein Unterschied zum ehemals "deutschen" Cafergot ist (auch wenn´s anders aussieht) ist bei der Anfallsbehandlung nicht feststellbar. Die Bezahlung erfolgt per Kreditkarte, wozu deren Daten einmalig online einzugeben sind (Zugangseinrichtung ähnlich wie bei amazon per Account und Password, Übermittlung der Daten verschlüsselt per https). Das Medikament kostet dort - wirkstoffbezogen - nur knapp ein Drittel im Vergleich zu Ergo-Kranit; Du zahlst knapp 1 € pro Tablette. Die Krankenkasse übernimmt natürlich nichts, da zahlt man selbst.
     Doch Vorsicht: Weil inzwischen schon sehr viele Migränepatienten keine andere Möglichkeit mehr sehen als diesen Weg zu gehen, hat der deutsche Zoll mittlerweile ein wachsames Auge darauf. Bedeutet: Erfahrungsgemäß wird eine von fünf Sendungen abgefangen und nach dem Abfangen stehst Du dort in der Datenbank. Damit ist der Zug endgültig abgefahren. Von rechtlichen Mitteln wegen des unerlaubten Medikamentenimports (=Drogenhandel) sieht man allerdings i. d. R. ab. Nur Dein Geld für das Medikament bist Du natürlich auf Nimmerwiedersehen los, ohne die Ware erhalten zu haben. Doch wenn man vor die Wahl gestellt wird, dieses Risiko einzugehen oder vor Schmerzen zu schreien, dann geht man es auch ein ...
     Es sei denn, Du findest einen Arzt, der die bestellte Ware auf Privatrezept verschreibt. Das überstellst Du dann dem Zoll. Dann gibt's auch das Medikament. Man muss eben nur genug Geld und Beziehungen haben! Oh, hoch gelobte Chancengleichheit! Du kannst aber Ergotamintartrat zumindest theoretisch noch immer auf Rezept bekommen - einen der vergleichsweise seltenen, informierten und nicht Pharmaindustrie-hörigen Ärzte voraus gesetzt. Aber hüte Dich bloß davor, einem Arzt in "seine" Behandlung reinreden zu wollen! Erlaube Dir höchstens vorsichtige Andeutungen wie z. B. "Ich hätte da mal 'ne Frage - ich habe gehört, dass nicht alle Ergotamine verboten und ..." Damit hast Du noch die besten Erfolgsaussichten - eine reelle Fifty-Fifty-Chance. Da wäre erst mal das bereits erwähnte Ergo Kranit Akut 2mg (Ergotamintartrat 2 mg, 100 mg Coffein). Dann gibt's noch die Migrätan® S Zäpfchen (Ergotamintartrat 1 mg, Propyphenazon 200 mg). Letztlich sind auch die Cafergot-N-Suppositorien noch nicht so ganz aus dem Rennen (2 mg Ergotamintartrat und 100 mg Coffein), auch wenn es dazu einer zum Re-Import bereiten Apotheke bedarf. Die 2mg-Dosierung ist ein ziemlicher Hammer und meiner Erfahrung nach nur sehr selten notwendig (wenn Du kurz vor der schmerzbedingten Bewusstlosigkeit stehst). Meist reicht daher 1 mg Ergotamintartrat völlig aus - Ergo Kranit Akut oder Cafergot-N-Suppositorien teilt man dann einfach. Ergotamin-Derivate zur Anfallsbehandlung sind völlig OK - wenn man damit sparsam (!!!) umzugehen weiß.
      Cannabis: Ja, ich weiß, dass jetzt viele aufstöhnen werden und die äußerst kontroverse Diskussion zu diesem Thema ist mir durchaus bekannt. Das uralte und in den Niederlanden noch heute erfolgreich zur Akutbehandlung eingesetzte Hausmittel ist in Deutschland seit 1945 illegal (davor wurde sein Anbau sogar staatlicherseits gefördert!). Angesichts des im I-Net grassierenden Abmahner-Wahns (Wie war das doch gleich - eine Zensur findet nicht statt???) verzichte ich auch auf weitere Ausführungen zu dem Thema. Hier nur soviel: In "Grinspoon/ Bakalar: Marihuana - Die verbotene Medizin (Zweitausendeins)" steht, dass Cannabis/ Haschisch/ Marihuana/ Hanf gegen akute Migräne hilft. Dem kann ich nicht widersprechen. Nur kann die notleidende Pharmaindustrie daran nichts verdienen. Punkt! Wer sich näher mit Cannabis befassen möchte, dem seien drei Bücher empfohlen - nämlich: Herer/ Bröckers/ Katalyse: Die Wiederentdeckung der Nutzpfanze Hanf (Zweitausendeins); Hans-Georg Behr: Von Hanf ist die Rede (Zweitausendeins) und Grinspoon/ Bakalar: Marihuana - Die verbotene Medizin (Zweitausendeins).
      Synthetische Opiate: Und dann war da mal der Arzt, der mir Valoron verschrieb, weil er in einer Studie gelesen hatte, dass Ergotamin-Derivate zu starke Nebenwirkungen hätten. Grandiose Idee! Erst einmal erwies sich das Zeug zur Akutbehandlung als nahezu wirkungslos und dann war der Entzug der reinste Horror. Und es löst Migräne aus. Gleiches gilt für das Rauchen von Opium. Das Mistzeug macht nämlich sehr schnell sehr süchtig. Wenn Dir also ein Arzt allen Ernstes Valoron vorschlägt, dann wechsle den Arzt!!!
      Bewegung an frischer Luft: Ist für Anfallsstärken 2 bis (eingeschränkt) 4 geeignet. Kann funktionieren, muss es aber nicht. Auf jeden Fall lohnt sich immer (!) der Versuch - sofern Du dazu die Möglichkeit hast. Und während der Berufstätigkeit: Wenn Du einen echten "Menschenfreund" zum Chef hast, welcher Migräne mit beispielloser Ignoranz und Arroganz nur ins Lächerliche zieht und Dir (entgegen SGB VII, Bildschirm-VO, ArbStättV usw.) sogar verbietet, einmal stündlich die Nase aus dem Fenster zu halten, dann verabschiede Dich innerlich schon mal von dem Saftladen. Es wird für Dich nämlich über kurz oder lang auf die Frage rauslaufen "Seine Firma oder meine Gesundheit?" - und glaub' mir, an dem Punkt angelangt ist selbst Arbeitslosigkeit eine echte Alternative! Ich weiß, wovon ich rede!
      Nikotin: Gehört für mich ganz klar mit zu den Mitteln der Vorbeugung. Das klingt jetzt ziemlich bescheuert, nicht wahr? Aber lassen wir mal Tatsachen sprechen. Nach einer Krebsoperation im Jahre 1988 habe ich mir das Rauchen abgewöhnt. Anzahl und Stärke der Migräneanfälle nahm sprunghaft zu. Nach gut einem halben Jahr wurde mir das bewusst. Dann begann ich mit Rauchen wieder. Die Migräne ging zurück. Irgendwo habe ich mal in einer Studie gelesen "Tolles Medikament, aber mieses Verabreichungssystem" - könnte stimmen. Wenn Du Nichtraucher bist, dann bleib es auch! Nikotin oder besser Tabak wirkt einerseits als MAO-Hemmer. Der im Tabakblatt enthaltene Zucker verbrennt beim Rauchen, wobei u. a. Acetaldehyd entsteht. Dieser Stoff bewirkt eine Reduzierung des Enzyms MAO-B (Monoaminooxidase B), das im Gehirn Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin abbaut. Man hat festgestellt, dass Raucher bis zu 40 Prozent weniger MAO-B haben als Nichtraucher. Dem entsprechend mehr Dopamin und Serotonin wirken auf das Gehirn ein. Andererseits greift Nikotin an zwei verschiedenen Kompartimenten an, den präsynaptischen und postsynaptischen "Nikotin"-Rezeptoren (nicht ganz korrekte Terminologie, ich weiß ...). Bei der Bindung an die Rezeptoren kommt es zur Ausschüttung unterschiedlicher Neurotransmitter (chemische Stoffe, die dem Informationsaustausch zwischen den einzelnen Nervenzellen dienen) wie Dopamin, Serotonin, Noradrenalin und Endorphinen. Endorphine sind die körpereigenen Schmerzmittel und ein Serotonin-Mangelzustand ist typisch für Migräne. Wird das Serotonin also weniger abgebaut, dann wirkt sich das positiv aus.
      (Suma-) Triptan: Ist nun wirklich nicht das Allheil-Wundermittel, als das es von der Werbung angepriesen wird. OK, der Schmerz wird relativ kurzfristig deutlich vermindert - wenn Du auf Triptane ansprichst. Aber: Triptan ist nicht gleich Triptan! Es ist durchaus wahrscheinlich, dass bspw. Sumatriptan Dir hilft, während Naratriptan etwa so wirkungsvoll wie Mineralwasser ist - oder umgekehrt. Wenn Triptane nicht helfen, dann bist Du in den Ar*** gekniffen (zu den - nicht legalen - Alternativen vergleiche mal weiter oben, Ergotaminderivate und Cannabis). Nach dem Erlöschen der Ergotamin-Verkehrsfähigkeit mehren sich übrigens die Stimmen der Leute, die auf Triptane nicht ansprechen. Oder die Stimmen der Leute, bei denen Triptan die Migräne erst induziert oder bei denen der Anfall vom Triptan nur unterbrochen wird, um später wieder zu kommen. Dieser Personenkreis ist wohl vorher von der Pharmaindustrie nicht gefragt worden ... oder durch sensationelle, plötzliche Neuschöpfung völlig aus dem Nichts entstanden! Ein Wunder! Aber alles außer dem Schmerz (Hypersensibilität, Brechreiz, Schwindel, Sehstörungen etc.) wird kaum oder gar nicht beeinflusst. Und die Wirkung ist weniger dauerhaft als bei den Ergotaminen. Hinzu kommt noch, dass Triptane alles andere als frei von Nebenwirkungen sind. Die ersten vier Stunden nach der Einnahme wirst Du nur schwerlich zum Autofahren oder zum fehlerfreien Arbeiten in der Lage sein. Du stehst neben Dir und rennst durch die geschlossene Glastür. Hinsichtlich der weiteren Nebenwirkungen hast Du die freie Auswahl zwischen Krämpfen, allen möglichen Herzerkrankungen bis hin zum Infarkt, Schlaganfall und Leberschäden. Und nach der Einnahme macht sich für gewöhnlich auch noch eine ausnehmend schlechte Laune breit ... - nur über diese psychische Wirkung schweigen sich die Packungsbeilagen auch aus! Aber: An den Triptanen verdient unsere Pharmaindustrie sehr viel mehr als an den anderen Mitteln. Und wer - wenn nicht die zahllosen Migränepatienten - könnte denn unsere Wirtschaft sonst noch stützen?
      Abschließend nicht ganz unerwähnt bleiben sollen die Wirkungsverstärkungen: Die Wirkung von Schmerzmitteln (z. B. Paracetamol, Acetylsalicylsäure, Propyphenazon, Ibuprofen, Triptane, Ergotamintartrat) kann verstärkt werden. So erhöht Coffein (z. B. enthalten in Kaffee, Red Bull, Big Puma ...) deren Magen-Darm-Resorption deutlich. Gleiches gilt für Paspertin- oder MCP-Tropfen - vor allem dann, wenn schon Übelkeit auftritt. Aber: Besagte Tropfen können bei exzessiver Anwendung als Nebenwirkung auch geschlechtsunabhängig Laktation verursachen. Zum Coffein wäre noch zu ergänzen, dass manch einer nur darauf reagiert, wenn ein hinreichend saures Medium vorliegt (z. B. etwas Zitronensaft im Kaffee) und dass ein "Zuviel" allerdings auch Migräne auslösen kann; dies ist individuell sehr unterschiedlich. Manchmal hilft es auch, wirklich literweise (Wasser) zu trinken und sich NICHT hinzulegen, sobald sich ein Anfall anbahnt.
      Manchmal kommt es eben genau auf diese Verstärkung oder Vermeidung an!
      Vielleicht ist Dir aufgefallen, dass ich die Migräne im obigen Text niemals als Krankheit bezeichnet habe. Das geschah ganz bewusst. Ich glaube nämlich nicht, dass es sich bei der Migräne um eine Krankheit im landläufigen Sinne handelt - ich vermute vielmehr eine (durchaus auch sinnvolle) Funktion hinter der Migräne. Wenn Du erfahren willst welche, dann sieh Dir die Fortsetzung an.








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